Falkensteins Weinprobe
Aus dem Schloss der Schwalben

Mit Engelschören und Posaunenschall wurde im vorigen August der neue Jahrgang im Beaujolais begrüßt. Niemand konnte sich an eine so frühe Ernte, an derart überreife, tiefdunkle Trauben erinnern.

Jetzt, neun Monate später, sind die Winzer nicht mehr ganz so euphorisch. "Der Wein ist schon toll", meint Jean Tête, "doch manche Füllung erinnert an Südafrika. Klassischer Beaujolais ist das nicht unbedingt."

Für ihn kommt der 2002er dem Idealbild viel näher - und besser gegen das Vorurteil an, das der jahrelange Primeur-Rummel verfestigte: Beaujolais muss möglichst gleich nach der Ernte ausgetrunken sein. Das mag für die Dutzendware aus dem sandigen Flachland südlich von Villefranche gelten, nicht aber für Beaujolais-Villages von den Granit- und Sandsteinhügeln im Herzen des Anbaugebiets. Denn da kommt der 2002er jetzt erst allmählich in die geschmackliche Reife.

Jean Tête, 50 Jahre alt, ein bulliger Mann mit breitem Schädel, das graue Haar schon etwas schütter, ist Eigner einer mittelgroßen Kellerei in Saint-Didier. Seine wichtigsten Abnehmer sind Bistros in Paris. Er ist Betriebswirt, hat aber auch das Küferhandwerk gelernt - und zwar von klein an: Als Kind spielte er zwischen den Fässern im Keller des Großvaters. An dessen mächtige Gestalt erinnert er sich mit Respekt.

Zum Betrieb gehören 20 Hektar Weinberge in besten Lagen. Têtes liebste Rebgärten liegen rund um Château des Alouettes, ein Herrenhaus von 1850, das er vor 20 Jahren einem Industriellen abgekauft hat und in dem er jetzt mit seiner Familie wohnt. Der Name des Anwesens passt. "Es gibt da eine Unmenge Schwalben", beschreibt der Weinmann.

Sein 2002er von dort, noch längst nicht ausgereift, duftet zart nach Brot und Erde. Die zwischen Johannisbeere und Kirsche spielenden Fruchtaromen machen Spaß. Im Abklingen kommt ein Hauch Majoran auf. Der Wein ist wundersam leicht.

Da passt ein klassisches burgundisches Hauptgericht: Coq au Vin. Ein gut genährter Hahn wird gevierteilt, mit Salz und Pfeffer eingerieben, dann mit der Haut nach oben in einen Bratentopf gelegt, zusammen mit Zwiebeln, Knoblauch, frischen Kräutern sowie Stücken von Möhren, Sellerie und Pastinaken angeschmort und mit einer halben Flasche Beaujolais abgelöscht. Alles wird bei 150 Grad Umluft für eine Stunde in den Ofen geschoben, und es wird immer wieder Wein nachgegossen. Danach das Fleisch warm stellen, Brühe und Gemüse im Mixer pürieren und mit eiskalter Butter aufschlagen.

Dazu wird in Frankreich gerne Kartoffelgratin gereicht. Bandnudeln sind aber bei der mächtigen Sauce bekömmlicher.

Beaujolais-Klassiker


Wein

2002er Château des Alouettes
Rebsorte Gamay
Anbaugebiet Beaujolais-Villages
Analyse 12,3°Alkohol, 3,6 g Säure, 0,8 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2005
Preis 7,80 Euro Adresse VIF Weinhandel, Kreppstraße 6, 66333 Völklingen Tel. 06898 - 27070, Fax-27072
E-Mail info@vif.de

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