Falkensteins Weinprobe
Aus Liebe zum Wein

Als die Winzertochter Brigitte Horch 21 Jahre alt war, wurde sie um ihren Freund beneidet. Klaus-Eduard Göbel sah mit seinem feschen Schnauzbart nicht nur stattlich aus, er war auch gern bereit, im Weinberg zu helfen.

Damals, in den 70er-Jahren, stand es um die Weinkultur in Winningen nicht zum Besten. Das hübsche Moseldorf bei Koblenz war bevorzugtes Ziel nordrhein-westfälischer Wochenend-Gäste, die mehr auf Menge als auf Güte schauten. Preiswerte, liebliche Schoppen waren gefragt. Dafür musste sich kein Winzer am Steilhang plagen. Den Touristentrank besorgten sich die Wirte anderswo günstiger.

Ausgerechnet zu einer Zeit also, da der Rebbau an der Untermosel zunehmend vernachlässigt wurde, interessierte sich Göbel für Wein. Halb der Braut zuliebe, halb zum eigenen Vergnügen machte der Maurer neben seiner Arbeit eine Winzerlehre.

Im Sommer schuftete er auf dem Bau, um Geld zu verdienen. Im Winter fuhr er täglich mit dem Zug zur Weinbauschule nach Bullay. Als drei Jahre später geheiratet wurde, übernahm er den Rebenhof. Der Schwiegervater, der bereits in siebter Generation Wein anbaute, war überglücklich.

Den Schritt hat Göbel, inzwischen 51 Jahre alt, nie bereut. Der sportlich gebaute Mann, immer noch mit Schnäuzer bewehrt, trägt den Winzerkittel wie einen Königsmantel. "Am liebsten würde er damit schlafen gehen", spöttelt die Gattin. Für ihn gibt es nichts Schöneres, als in den steilen Schieferterrassen am Uhlen-Berg oder in der feinen Brückstück-Lage mit den Reben Zwiesprache zu halten.

Zeit für irgendwelche Steckenpferde? "Wenn Sie so wollen", lächelt er, "dann ist Sekt-Machen mein Hobby." Das notwendige Wissen hat er sich selbst beigebracht. Er rüttelt die Flaschen noch von Hand. Nur den letzten Schritt der Herstellung, das Degorgieren, also das Entfernen der Hefe, überlässt er einem Fachmann im Ort.

Bei einer großen Untermosel-Vergleichsprobe im Sommer fiel Göbels "Terrassen-Riesling" zum ersten Mal angenehm auf. Jetzt beim Nachkosten schmeckte er noch besser. Der Wein duftet nach Obstblüte und Minze. Die herzhafte Säure wird von reichen Schiefer-Aromen eingebunden und lässt den an sich kräftigen Tropfen schlank erscheinen. Die zwischen Pfirsich und Aprikosen spielende Frucht nimmt kein Ende.

Sein Handwerk als Maurer hat Göbel nicht verlernt. Mit Sorgfalt und sicherem Gespür für gute alte Baumaterialien errichtete er neben dem Fachwerkhaus der Familie eine Straußwirtschaft, in der Ehefrau Brigitte ab Frühsommer wieder wirbeln wird.

Sie schätzt Kartoffeln, die sie virtuos zu verschiedensten Gerichten zuzubereiten versteht. Großer Beliebtheit erfreut sich ihr Auflauf aus dünnen Scheiben der Sorte Sieglinde mit einer Sauce aus Schmand, Sahne, Salz, Pfeffer, Curry und Origano. Das Ganze wird mit Gouda überbacken. Für die Buletten dazu werden ein Brötchen und getrocknete Steinpilze eingeweicht, dann mit Kalbsbrät (beim Metzger bestellen), einem Ei und etwas Senf vermengt.

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