FALKENSTEINS WEINPROBE
Berauschende Herbstdüfte

Das waren schöne Zeiten, als Barolo noch nicht zum Objekt amerikanischer Begierden geworden war und weniger als 15 D-Mark kostete. Mit jedem zusätzlichen Parker-Punkt schmeckte der "König der Weine" dank aufwendiger Kellertechnik immer pompöser - und ist nun nicht mehr bezahlbar.

Also gilt es, Alternativen zu finden. Der Barbera Nicolon von Giovanni Negro ist mit 9,80 Euro auch nicht eben billig. Doch verströmt dieser dichte, tiefdunkle Wein, wenn er sich denn nach Stunden in der Karaffe endlich geöffnet hat, den im Piemont so beliebten "profumo morbido", jenen herbstlichen Duft von welkem Laub, Pilzen und Wild - der einst einen großen Barolo ausmachte.

Hinter diesem herb-sinnlichen Tropfen steht eine großartige Familie. Patriarch ist Giovanni Negro, 54 Jahre alt, ein bulliger Mann, der sich gerne polternd gibt, auch wenn er ein großes Herz besitzt. Als parteiloser Bürgermeister des Städtchens Roero besucht er Kranke, hilft unauffällig in Not und schlichtet Streitigkeiten. Die drei Söhne und die Tochter, die ihn alle um Stirneshöhe überragen, hat er zielgerecht im Weingut eingesetzt.

Gabriele, der Älteste, ist studierter Landwirt und kümmert sich um die 45 Hektar Reben. Er kann sich für Traktoren begeistern wie andere Italiener für Maseratis. So wurde er Testfahrer für Schleppermodelle. Bruder Angelo ist Dottore für Önologie und hat den Keller unter sich. Schwester Emanuela wirbelt im Büro. Giuseppe, Negros Jüngster, hat Kochen gelernt, kümmert sich aber nun um den Verkauf der väterlichen Weine.

Die wichtigste Traube des Piemont ist der Nebbiolo, aus dem Barolo und Barbaresco gekeltert werden. Der Barbera galt früher als zweitklassig, was schon lange nicht mehr stimmt. Wenn diese Sorte in kundigen Händen liegt, wenn die Reben 60 Jahre alt sind und in einer Spitzenlage wie Nicolon stehen, dann wird ein Wein von Ehrfurcht gebietender Größe daraus. Giuseppe Negro empfiehlt zu dem kraftvollen Trunk eine regionale Leibspeise: Ragout vom Wildschwein mit Polenta.

Das Fleisch wird drei Tage mit Gewürzen und Suppengemüse in Barbera eingelegt, bevor es scharf angebraten und in dem durchgeseihtem Rotwein gegart wird.

Für die Zubereitung der Polenta gibt es viele Methoden. Hier die im Piemont geläufige: 100 Gramm Maisgries in einen Liter kochende Bouillon mit dem Schneebesen einrühren, Herd klein stellen und die goldgelbe Masse eine halbe Stunde quellen lassen, ab und zu umrühren. Schließlich Petersilie, Parmesan und etwas Butter (oder gutes Olivenöl) zugeben.

Piemont-Tropfen

Wein
2001er Nicolon Barbera d?Alba

Rebsorte
Barbera

AnbaugebietPiemont/Italien

Analyse
13,9ll Alkohol, 6,6 g Säure, 2,0 g Restzucker (pro Liter)

Mindestens haltbar bis Ende 2006

Preis 9,80 Euro

Adresse
Zwölfgrad

Martin-Luther-Platz 1
50677 Köln

Tel. 0221/381591
Fax-341986

E-Mail info@zwoelfgrad.de

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