Falkensteins Weinprobe
Beschwingt wie eine Melodie

Wer immer noch von einem Rotwein-Boom in Europa redet, ist nicht auf dem neuesten Stand. Alle Marktdaten kündigen einen Rückschwung in Richtung Weiß an.

Die Winzer-Familie Couly an der Loire ahnte dies schon frühzeitig. Deren Gut besitzt beste Lagen in Chinon und Bourgeuil, bekannt vor allem für kirschfruchtige Weine der roten Sorte Cabernet franc. Doch spürten die Besitzer seit längerem ein steigendes Interesse an Sauvignon blanc.

Sie suchten und fanden schließlich in dem Dorf Montrichard südlich von Tours einen jungen Weinbauern, der gute, mit der gefragten weißen Sorte bestockte Rebberge geerbt hatte, aber nicht über einen geeigneten Keller verfügte, um die Trauben selbst zu verarbeiten. Bei einem guten Essen wurde man handelseinig: Nun haben die Coulys auch Sauvignon blanc im Programm.

Gleich der 2004er ist derart graziös und beschwingt geraten, dass er den Beinamen "Mélodia" erhielt. Der für die Sorte typische, oft aufdringliche Geschmack von Stachelbeeren ist hier nur zu ahnen. In den Zitronenduft mischen sich steinige Aromen. Bei aller Leichtigkeit klingt der Wein lange am Gaumen nach. Einen Vergleich mit manchem doppelt so teuren Sancerre-Gewächs hält er aus.

Die Geschichte des Weingutes ist kompliziert. Da wurden zwischen den Familien Couly und Dutheil mehrfach Ehen über Kreuz geschlossen. Von den vielen Mitgliedern der Sippe mit zum Teil gleich klingendenNamen interessiert vor allem der Begründer Baptiste Dutheil, der als Trödler ein wenig Geld verdiente. Denn das legte er 1921 in einem Weinberg an.

Vier Jahre später war er auf Messen in Paris vertreten. Die Zeitschrift "L?Illustration" lobte "die Qualität und Finesse der Weine".

Derzeit arbeiten die dritte und vierte Generation in dem Betrieb. Leitende Kraft ist der bullige Pierre Couly, trotz 70 Jahren ein Ausbund an Umtriebigkeit und Vitalität. Sein etwas stillerer jüngerer Bruder Jacques, Landwirt mit Diplom, wacht über die 85 Hektar Weinberge.

Pierres Sohn Bertrand, ein Kraftpaket wie sein Vater, hat Önologie studiert und betreut den hochmodernen Keller. Cousin Arnaud, der im Vergleich mit seinen stämmigen Verwandten fast zierlich zu nennen ist, hat die Verwaltung unter sich. Zeit für teure Steckenpferde hat niemand in dem Quartett. Es wird vor allem hart gearbeitet, aber auch gut gelebt und viel gelacht.

Das rechte Mahl zu ihrem "Mélodia": Lassen Sie vom Fischhändler einen Seeteufel (Lotte) parieren, also von Haut, Flügeln und Schwanzstück befreien. Die Abfälle in Wasser und etwas Wein kochen, später den Fisch dazugeben, bis sich das Fleisch leicht vom Knochen lösen lässt.

Alles durchsieben. In dem Fond zwei klein geschnittene rote Paprikaschoten garen, wenn sie weich sind, mit dem Mixstab pürieren und mit Sahne aufkochen.

Die abgetrennten Fischfilets in heißer Butter aufwärmen, mit der roten Sauce und Reis servieren.

Von der Loire Wein 2004er "Mélodia"
Rebsorte Sauvignon blanc
Anbaugebiet Frankreich - Loire
Analyse 12,0°Alkohol, 4,7 Säure, 4,8 Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2006
Preis 7 Euro
Adresse Anrather Weinhof, Gietherstraße 51, 47 877 Willich Tel. 02156 / 41379, Fax 418 81
E-Mail anratherweinhof

@weine-der-loire.de

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