Falkensteins Weinprobe
Bester Landadel

Im französischen Weinbau ist "Château" ein wenig aussagekräftiger Begriff. Ein Schloss kann auch ein Bauernhof sein. Château de Beaulieu jedoch, gelegen in dem Flecken St.-Sauveur-de-Meilhan, 80 Kilometer südöstlich von Bordeaux, ist tatsächlich ein stolzes Schloss.

Das Gebäude stammt aus der Zeit vor dem Hundertjährigen Krieg (1337-1453) gegen England. Im Krieg dann büßte es seine beiden Türme ein, wurde später erweitert und war in einem kläglichen Zustand, als Robert und Agnès Schulte es 1977 für wenig Geld kauften. Jetzt ist der Bau wieder ein Prunkstück, ein stattliches Geviert mit nobler Toreinfahrt und einem anmutig gestalteten Innenhof.

Robert Schulte, der für seine 68 Jahre blendend aussieht, stammt aus Belgien. Er studierte in der Managerschmiede Insead in Fontainebleau und lernte dort seine Frau kennen. Sie leitete später die PR-Abteilung beim Medienkonzern Havas, er arbeitete für Procter & Gamble, Nestlé und Mars. Das Paar zog oft um, war in Paris, Brüssel, Genf und in Straßburg. Trotzdem gab es ein intaktes Familienleben mit fünf Kindern.

1977 kauften sie das Schloss im Marmandais, einer noch ursprünglichen, abseits gelegenen Ecke des französischen Südwestens. Schulte: "Wir waren Nomaden und wollten endlich Wurzeln schlagen." Zuerst verbrachten sie dort nur ihre Ferien und renovierten den Bau. Aber 1991 standen die rundum gelegenen Weinberge zum Verkauf.

Schulte zögerte, ließ dann Bodenproben analysieren und sich von Marc Quertinier beraten, einem Bordelaiser Önologen. "So wurde ich Winzer, und das ist ein schöner Beruf", sagt der Ex-Manager und schmunzelt. Im 19. Jahrhundert gehörte das Marmandais zu Bordeaux. Später wurde es ein eigenes Anbaugebiet, was die ziemlich verschlafenen Winzer lange Zeit auch nicht wachrütteln konnte.

Ein Vorteil der Gebietsänderung war, dass nun neben Cabernet und Merlot andere Sorten gepflanzt werden durften wie Syrah von der Rhône und die typische Südwest-Traube Malbec. So erhalten die Weine einen eigenen Charakter.

Der 99er Château de Beaulieu besitzt einen rustikalen Charme, ohne derb zu sein, ist sozusagen bester Landadel. Fruchtige Düfte mischen sich mit einer Wildnote. Der Geschmack von Kirsche und Pflaume wird untermalt von Minze, Pfeffer und angenehm erdigen Tönen.

Robert Schulte schickte ein Rezept, das leicht abgewandelt wurde, weil das Gericht sonst für den Rotwein zu süß wäre: Rehbraten aus der Keule mit Ingwer-Konfitüre und Pfeffer einreiben, scharf anbraten, je eine Tasse Bouillon und Rotwein zugießen, in der Röhre bei mittlerer Hitze zugedeckt eine Stunde garen, danach offen 20 Minuten rösten.

Zwischendurch das Fleisch mit dem Fond begießen, notfalls Wasser zugeben. Ungesüßte Preiselbeeren mit Butter andünsten und in die Sauce rühren. Dazu wird zweierlei gereicht: gestiftelte, gedünstete und in heißer Butter geschwenkte weiße Rüben sowie Püree aus Kartoffeln und Sellerie.

Wein mit Wildnote 99er Château de Beaulieu
Rebsorte Cabernet franc, Cabernet-Sauvignon, Syrah, Malbec
Anbaugebiet Côtes du Marmandais - Frankreich
Analyse 13,2° Alkohol, 3,3 g Säure, 0,9 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis 2007
Preis 8,50 Euro
Adresse Jan Gelderblom, Bergstraße 71, 10 115 Berlin Tel. 030/753 23 42, Fax 030/ 752 24 52
E-Mail jan@gelderblom.de

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