Falkensteins Weinprobe
Das Vermächtnis der Großmutter

Am Ortsrand von Autignac in der Rue de l?Égalité, knapp 50 Kilometer westlich von Montpellier in Südfrankreich, befindet sich ein unscheinbares, altes Eckhaus. Nur ein altes Fass vor der Tür deutet darauf hin, dass dort Wein erzeugt wird.

Einst gehörte das Anwesen Jean und Jeanne Caumette. Er war Winzer bei der örtlichen Genossenschaft, sie betrieb einen Kurzwarenhandel und schneiderte. Der Sohn wurde Arzt. Nachdem der alte Jean 1986 gestorben war, stand das Haus leer. Die guten Rebgärten in der fruchtbaren Ebene wurden verkauft, die geringeren Lagen am Berg verpachtet.

Doch dann interessierte sich Enkel François für Wein, studierte Agrarwissenschaft und Önologie. Nach dem Abschluss heiratete er Kommilitonin Nathalie. Gemeinsam gingen sie daran, aus den Resten ein Weingut aufzubauen - und nannten es nach dem Geschäft der Oma "L?ancienne Mercerie".

Mit bescheidensten Mitteln füllten die beiden 2000 ihren ersten Wein ab. Die Cuvée "Couture" (Schneiderei) erhielt prompt im "Guide d?Hachette", dem anspruchsvollsten französischen Weinführer, die Bestnote "coup de c?ur".

Wenn sie darüber sprechen, scheint es so, als sei ihnen diese frühe Ehre etwas peinlich. François und Nathalie Caumette sind bescheidene Menschen, er 38 Jahre alt, mittelgroß, schwarzhaarig, ziemlich stämmig, sie ein Jahr jünger, etwas kleiner, blond und gertenschlank. "Wir sind doch erst am Anfang", meint er. "Das theoretische Wissen ist zweifach vorhanden, gewiss. Aber damit einen guten Wein zu machen ist eine andere Geschichte." Ohne dies groß auf die Flasche zu schreiben, bewirtschaften sie die Weingärten biologisch.

Besonders lieben sie die bergigen Lagen am Rande der Garrigue, der Trockenlandschaft mit kleinen Eichen, in deren Untergrund sich schwarzer Schiefer findet. Auf diesen Böden gedeihen - bei denkbar geringen Erträgen - inhaltsstarke, besonders weiche Rotweine.

Neben der "Couture" keltert das Paar die Cuvée "Les petites mains", benannt nach Großmutters kleinen Händen. Der 2003er ist ein warmer, molliger Tropfen, der in langen Wellen auf den Gaumen zurollt.

Um die Süßkirschen-Frucht kreist ein mächtiger Strom von Boden- und Kräuteraromen: in der Nase Minze, Pfeffer und Lavendel, auf der Zunge Salbei, Rosmarin und Oregano. Der Schiefer ist dabei deutlich zu schmecken. Es empfiehlt sich, den Wein schon am Vortag zu dekantieren. Dann offenbart sich die ganze Fülle Dazu Kaninchenspieße: Fleisch von den Schlegeln schneiden, von Sehnen und Knorpel befreien, würfeln.

Gehackte Schalotte und Knoblauch kurz anbraten, mit dem Fleisch und Petersilie durch den Fleischwolf geben. Die Masse mit Ricotta, Semmelbröseln und Ei vermengen und zu kleinen Kugeln formen. Sodann Lenden vom Kaninchen vierteln, abwechselnd mit den Bouletten auf Spießchen geben und in Öl braten. Mit Gemüse aus geschmorten Tomaten und roten Paprika anrichten.

Vom schwarzen Schiefer

Wein

2003er Faugères "Les petites mains"
Rebsorten Carignan, Mourvèdre, Grenache, Syrah
Anbaugebiet Anbaugebiet Languedoc
Analyse 13,4 ° Alkohol, 3,2 g Säure, 1,5 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis 2008
Preis 7,90 Euro
Adresse Selezione Vini Bahnhofstraße 13, 85 737 Ismaning Tel. 089/65115973, Fax 65115974, E-Mail: info@selezionevini.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%