Falkensteins Weinprobe
Der Geschmack des Sommers

Claudio Vidal Obregón, ein kleiner, drahtiger Mann, geht noch täglich in die Reben. Das ist sein Reich. Sein Leben lang hat er die Weingärten aufgebaut. Erst verkaufte er seine Traubenernte an Kellereien. Dann entstand in La Seca nordwestlich von Madrid, in der Mitte des Anbaugebietes Rueda, die Bodega Vidal Soblechero, eine Kellerei in der sein Sohn Vidal Vidal wirkt.

Beim Gang in die Reben sind oft seltsame Mitarbeiter dabei: zwei Falken. Die Tiere lassen sich auf Pfählen nieder, verharren manchmal Stunden regungslos. Plötzlich hebt einer der Vögel ab und stürzt sich zwischen die Reben. Ein Kaninchen muss sein Leben lassen. "Gute Kollegen", lobt der Alte. Und schimpft dann los: "Die Karnickel sind wirklich eine Plage." Sie durchwühlen den Boden und fressen im Herbst einen Teil der Ernte weg. Denn da die meisten Reben noch traditionell zu Büschen geschnitten sind, hängen die Trauben für die Schädlinge tief genug.

Vidal Obregón nimmt dem Falken die Beute ab, zieht dem Mümmelmann das Fell über die Ohren und weidet ihn aus. Für das Fleisch finden sich immer Liebhaber. Abends lassen sich die beiden gefiederten Jäger ohne Gegenwehr zurück in ihren Horst bringen.

Bis vor sechs Jahren verkaufte der Winzer seine Traubenernte an Kellereien. Doch dann meinten seine Kinder, die energische Alicia und ihr eher stiller Bruder Vidal, dass sie die wertvollen Trauben auch selbst keltern könnten. Am Ortsrand von La Seca wurde eine schmucklose, aber zweckmäßige Kellerei erbaut, in der nun der 29-jährige Vidal Vidal wirkt - sein Vor- und Nachname sind gleich. Er ist studierter Önologe und ein rechter Tüftler. Seine um zwei Jahr ältere Schwester, bis 1999 Verwaltungsangestellte, organisiert den Betrieb.

Die Rueda, ein ziemlich langweiliges Hügelland 150 Kilometer nordwestlich von Madrid, genoss im 15. Jahrhundert einige Berühmtheit. Die Hauptstadt Medina del Campo war Residenz der spanischen Könige. Später verfiel das Land in Tiefschlaf. Erst vor 30 Jahren kam wieder Leben in die abgelegene Provinz. Da entdeckte der legendäre Bordelaiser Önologe Émile Peynaud im Auftrag einer Rioja-Kellerei, dass der Verdejo, eine alte Rebsorte der Rueda, mit Hilfe neuzeitlicher Kellertechnik charaktervolle Weißweine bringen kann.

Die Vidals verfügen über reiche Bestände an Verdejo. Daneben pflegt der alte Claudio auch die weiße Viura, eigentlich eine gewöhnliche Sorte, die aber bei mehr als 40 Jahre alten Reben und entsprechend niedrigem Ertrag auch einen ausdrucksstarken Tropfen bringt.Der 2004er Weißwein ist eine Mischung beider Sorten. Er ist nicht schwer und bringt reiche Aromen von Rhabarber, Pfirsich und Minze auf die Zunge. Besser kann der Sommer kaum schmecken.

Als der Wein getestet wurde, gab es dazu einen Auflauf: Dicke Penne (Röhrennudeln) so kochen, dass sie noch sehr bissfest sind, und in eine feuerfeste Form legen. Kalbsfond, Öl, etwas Sahne, ein Glas von dem Wein und einige Spritzer Pfeffersauce dazugießen.

Weitere Zutaten sind Tomaten, Staudensellerie und Salami, alles klein gewürfelt. Frischen Knoblauch nicht vergessen. Mit geriebenem Mozzarella und geriebenem Parmesan überbacken.

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