Falkensteins Weinprobe
Die Frucht harter Arbeit

Jetzt, nach vier Jahren, wird Jorge Martinez endlich mal mit seinem Chef Tennis spielen können. Bislang war keine Zeit dazu. Der Önologe pendelte ständig zwischen der Wohnung in Madrid und dem 180 Kilometer südlich gelegenen Arbeitsplatz bei der Cooperativa Jesús del Perdón in Manzanares.

Nun aber hat er sich entschlossen, mit Gattin und zwei Kindern in den Süden der Mancha umzuziehen. In Manzanares lässt es sich denn auch ganz gut leben. Der geschäftige Ort mit alten Kirchen und der noch älteren Burg Pilas Bornas ist liebenswürdig und preiswert. Doch gegen die Angebote der Hauptstadt erscheint das Leben in der Provinz arg beschaulich. Immerhin ist die Familie jetzt beisammen.

Martinez, 31 Jahre alt, ein kleiner, knackig gebauter, stets freundlich lächelnder Brillenträger, kam 2001 von einer riesigen Weinfabrik. Dagegen erschien ihm die Genossenschaft in Manzanares überschaubar, obwohl der Betrieb durch zahlreiche Übernahmen in den vergangenen 20 Jahren mächtig gewachsen ist. 25 Millionen Liter Wein können dort gekeltert werden. Martinez gefielen die neuzeitliche technische Ausstattung dort, die Sauberkeit und die Tatsache, dass ihm Geschäftsführer Ramón Alcazaro freie Hand ließ.

Nuestro Padre Jesús del Perdón genießt schon seit langem einen guten Ruf. "Die Qualität des Weins von La Mancha wäre viel höher, wenn alle Kellereien so ausgerüstet wären wie diese hier", schrieb Hubrecht Duijker schon vor zwölf Jahren in seinem "Atlas der spanischen Weine".

Es sind eigentlich zwei Betriebe. Der größere Teil der Cooperativa produziert offene Ware für die Handelskellereien. Davon getrennt gibt es kleinere Gebäude, in denen die feineren Tropfen gefüllt werden. Das ist das Reich von Martinez.

Seit er in Manzanares wirkt, ist der Anteil der höherwertigen Weine gestiegen. Dazu bedurfte es mühseliger Überzeugungsarbeit bei den Cosecheros, den Trauben zuliefernden Genossen. Sie sollten ihre Weingärten umstellen, die Reben besser pflegen und die Erträge drosseln. Von den guten Lagen am Ufer des Rio Guadiana sei mehr Qualität zu erwarten.

Die Menschen in der Mancha aber können sehr störrisch sein. Die Kämpfe sind heute ausgestanden. Der Kellermeister darf sich etwas zurücklehnen. Die Mühen der ersten Jahre muss er "nicht noch mal haben".

Die Reserva von 1999 lag schon in den Fässern, als Martinez kam. Er pflegte den Wein zu Ende. Der gereifte Tropfen steht haushoch über jener ausgezehrte Ware aus der Mancha, die hier in Discountmärkten verscherbelt wird. Auch im sechsten Jahr ist nichts Ältliches zu spüren. Der Geschmack von Trockenpflaumen und einem Hauch Holz schmeichelt angenehm weich und klingt lange in sanften Wellen aus.

Fleischeintöpfe sind typisch für La Mancha. Ein beliebtes Gericht heißt "Tojunto": Schlegel vom Hasen und vom Huhn werden mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und etwas Rotwein geschmort. Später kommen frisches Gemüse und Kräuter hinzu. Bei den Bauern ist es üblich, zuvor an einem Stück alten Manchego-Käse zu knabbern.



Aus La Mancha

Wein

1999er Casa la Teja Reserva
Rebsorte Tempranillo und Cabernet-Sauvignon
Anbaugebiet La Mancha
Analyse 13,2° Alkohol, 4,8 g Säure, 1,2 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2006
Preis 6,10 Euro Adresse La Tienda, Urftstraße 99-101, 41 239 Mönchengladbach Tel. 02166/93 15-0, Fax 931529
E-Mail la-tienda@la-tienda.de

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