Falkensteins Weinprobe
Die Party-Droge ist rosa

Für gewöhnlich freuen sich Händler, wenn ihre Waren begehrt sind. Doch Bernd Siebdrat war über die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Rosé-Champagner nur bedingt glücklich - Champagner Rosé ist in aller Munde. Sorgen Sie rechtzeitig für Nachschub!

"Wir konnten fünf Monate nicht liefern. Das tat ganz schön weh", berichtet Bernd Siebdrat, Geschäftsführer von Wein-Wolf in Bonn. Auch Hersteller stöhnen. So Billecart-Salmon: Die fast 200 Jahre alte Kellerei in Mareuil-sur-Aÿ war eine der Ersten in der Champagne, die Rosé anboten. In dem noblen Haus herrscht nun ständig Mangel. Der Billecart-Salmon Rosé hat sich in der Champagner-Hochburg Sylt zu einer Art Party-Droge entwickelt. Zuletzt stockte mehrfach der Nachschub. Bei Pommery und Taittinger sieht es ähnlich aus.

Die Kellereien in Reims und Umgebung haben nun alle verfügbaren Rosé-Reserven zusammengetragen und abgerüttelt. Viele Hersteller wie Veuve Clicquot stufen ihre Millésimes ab und bieten sie ohne Jahrgang an. So kann zwölf Monate früher ausgeliefert werden.

Die meisten Anbieter steigern ihre Produktion. Doch es dauert, bis dieses Mehr in den Markt geht, schreibt doch das Gesetz eine Reifezeit von mindestens zwei Jahren vor.

In der gehobenen Gastronomie ist es jetzt schick geworden, als Aperitif "Pink pearls" zu bestellen. Es käme jedoch einem Frevel nahe, derlei Pretiosen auf ihre Farbe zu reduzieren. Früher hieß es, Rosé sei ohne Eigenschaften, weder Fisch noch Fleisch. Dabei geht die charaktervolle Spezialität gleichermaßen zur Languste wie zum Lamm-Ragout, zum Kaviar wie zum Käse.

Jedes Haus hat sein eigenes Rezept, zu welchen Anteilen der weiße Chardonnay und der rote Pinot gemischt werden sollen. Zuerst bestimmen also die Trauben den Geschmack.

Dann kann der Kellermeister Einfluss darauf nehmen, wie deutlich das "Gör" ausfallen soll, das eigenwillige Aroma, das bei der langen Verbindung mit der Hefe während der Reife entsteht. Der Begriff kommt von gären - auch die pubertäre Göre leitet sich davon ab. Traditionell gehört die Note zu Champagner. Sie verleiht ihm morbiden Charme - der heute mit Frische und Frucht konkurriert.

Endlich kommt es auf die Machart an, die Methoden. Am einfachsten lässt sich diese Kunst an drei ausgewählten Marken beschreiben.

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