Falkensteins Weinprobe
Drei Becher in der Flasche

Wo liegt Molise? Intime Kenner der italienischen Küche haben gehört, dass in der bitterarmen Landschaft an den südlichen Ausläufern der Abruzzen die weltbesten Nudeln hergestellt werden. Es finden sich dort auch gute Weine. Doch nur ein Betrieb ist über die Grenzen der Provinz hinaus bekannt geworden: die Azienda Agricola Di Majo Norante.

Sie gehört einer aus Neapel stammenden adeligen Familie. Luigi Marchese Di Majo Norante, der seinen Lebensabend in Rom genießt, hat das Weingut 1968 gegründet. Jetzt ist sein Sohn Alessio dort Chef.

Der 44-Jährige, ein schlaksiger Typ, läuft am liebsten in abgetragenen Hosen und Turnschuhen herum und strahlt doch bei aller Lässigkeit aristokratische Würde aus. Er studierte Wirtschaft, gab aber dem Drängen des Vaters nach und übernahm 1998 das Gut.

Alessio Di Majo Norante pendelt ständig zwischen Rom, wo seine aus Breslau stammende Frau Edyta mit den drei Kindern lebt, und dem Gut in Campomarino. Dort legt er selbst Hand an im Rebberg wie im Keller, beraten von Ricardo Cotarella. Diesem viel zitierten Önologen eilt der Ruf voraus, dass sich die Weine der von ihm betreuten Güter arg ähneln. Auf die Erzeugnisse von Di Majo Norante trifft dies gewiss nicht zu. Besonders der 2003er Aglianico Contado besitzt einen sehr eigenen Charakter.

Die angebrochene Flasche stand zwei Tage offen. Dann erst zeigte der Wein seine volle Größe - ein sicheres Anzeichen für lange Haltbarkeit.

Dieser würdevolle Tropfen prunkt mit unterschiedlichsten Düften und Aromen, die wie ein breiter Strom harmonisch dahingleiten: zartes Zedernholz, Trockenpflaumen und Herbstlaub in der Nase, Schlehen, Schwarzkirschen und ein Hauch Marzipan im Mund. Die Bestnote "tre bicchieri", die der Weinführer "Gambero Rosso" sparsam vergibt, ist redlich verdient.

Dazu ein altes süditalienisches Rezept: einen Brotteig kneten aus 400 Gramm Hartweizengrieß, etwas Schmalz und 15 Gramm Hefe, aufgelöst in lauwarmem Wasser, eine Stunde ruhen lassen, ein Zentimeter dick ausrollen und zwei tellergroße Kreise ausstechen.

Dann ein Pfund aus der Lammkeule in kleine Würfel schneiden, eine Zwiebel, zwei Zehen Knoblauch und eine rote Pfefferschote hacken. Alles anbraten und eine halbe Tasse Rotwein zugeben; mit Salz, Oregano und Senf würzen. Das fertige Ragout kommt auf einen Teigfladen. Mit dem anderen Fladen bedecken, die Ränder verzwirbeln. Das gefüllte Brot eine Stunde im Ofen bei mittlerer Hitze backen.

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