Falkensteins Weinprobe
Drei Sterne im Glas

Als in Südbaden vornehmlich milde Weine das Sagen hatte, setzte Wolf-Dietrich Salwey auf herben Geschmack. Er wurde bald der beste Erzeuger am Kaiserstuhl - und ist es bis heute geblieben. Bei den Rotweinen des Jahrgangs 2003 ist ihm manch überragender Tropfen gelungen.

Wolf-Dietrich Salwey hat Charme für drei. Wenn der kräftig gewachsene Graukopf sein breites Lächeln aufsetzt, darf er sich einiger Sympathien sicher sein. Andere Menschen kennen ihn aber auch als unerbittlichen Zupacker und als Patriarchen.

Als er 23 Jahre alt war, wartete er nicht, bis ihm das elterliche Gut zugesprochen wurde. Er kaufte sich vom Ersparten einen Hof im nahen Glottertal und machte sich selbstständig.

In einer Zeit, als in Südbaden die Genossenschaften herrschten und das Land mit milden Weinen überschwemmten, setzte Salwey auf herben Geschmack. Er wurde bald der beste Erzeuger am Kaiserstuhl - und ist es bis heute geblieben.

Sein ältester Sohn Konrad, immerhin diplomierter Weinbauingenieur, musste eine Weile warten, bis er höhere Aufgaben im Keller übernehmen durfte. Eigentlich sollte der Vater jetzt zu seinem 65. Geburtstag das Steuer übergeben. Dafür, dass er das Gut nun doch weiter mitführt, werden betriebswirtschaftliche Gründe angeführt.

Um den beengten Hof erweitern zu können, erwarb Salwey eine leer stehende Fabrik nahebei. Der Vorbesitzer bestand darauf, den Besitz in toto zu veräußern, samt den Weinbergen, Feldern und einem alten Steinbruch. Das war teuer. Der Vater will nicht ein mit drückenden Verbindlichkeiten belastetes Erbe übergeben.

Bei den Rotweinen des Ausnahme-Jahrgangs 2003 hatte noch der Senior Regie geführt. Ihm ist da manch überragender Tropfen gelungen. Von der Spitzenlage Eichberg, einer von Südwest nach Südost drehenden Mulde, die reichlich mit Vulkanasche durchsetzt ist, kommt eine mächtige Spätburgunder-Spätlese.

Sie trägt die neue amtliche Bezeichnung "Großes Gewächs". Wolf-Dietrich Salwey hält es da lieber mit seiner eigenen, alten Klassifikation und fügt drei Sterne an.

Es ist unabdingbar, den Wein schon am Morgen zu dekantieren. Er dankt es am Abend mit reinster Harmonie. Dann tritt das frische Eichenholz dezent zurück. Statt Vanille verwöhnen Röstaromen, die an die Kruste eines dunklen Bauernbrots erinnern. Bohnenkraut und Mandel sind zu ahnen. Die Frucht von Kirschen und Brombeeren ist derart intensiv, dass es am Gaumen fast schmerzt. minutenlang hallt der Wein aus, untermalt vom Geschmack der Vulkanerde.

Der wahre badische Genießer gönnt sich dazu ein schlichtes Mahl: Hirschsteaks medium gebraten in einer extra sahnigen Sauce, die mit etwas Brombeer-Gelee verfeinert wird. Dazu Spätzle vom Brett.

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