Falkensteins Weinprobe
Ein historisches Datum

Thomas Nelles ist Winzer am Unterlauf der Ahr. Nelles pflegt dort seinen Spätburgunder. Der 55-Jährige liebt die steilen Schieferhänge - und er hat erfolg. "Gault Millau WeinGuide" vergleicht seine Weine kühn mit dem berühmten Volnay aus der Bourgogne.

Die Flaschen von Ahr-Winzer Thomas Nelles sind schon von weitem zu erkennen: In zwei Zentimeter großen Ziffern prangt das Datum 1479 auf den Etiketten. Dies war ein gutes Jahr. Der Streit um die böhmische Krone wurde geschlichtet. Die Türken schlossen Frieden mit Venedig. Die beiden spanischen Reiche kamen zusammen. Die Universität von Kopenhagen wurde gegründet. Und in einem alten Dokument ist nachzulesen, dass der Weinbauer Peter Nelis damals brav seine Abgaben bezahlt hat. Der Zins war ungewöhnlich hoch. Also müssen es gute Weinberge gewesen sein, direkt unterhalb der (damals noch bestehenden) Burg Landskrone am Unterlauf der Ahr.

Heute, fast 20 Generationen weiter, pflegt Thomas Nelles an gleicher Stelle seinen Spätburgunder. Der 55-Jährige, ein besonnen wirkender Mann mit gutmütigen Augen, liebt die steilen Schieferhänge. Er düngt sie regelmäßig mit Kompost und Stallmist. Das ist aufwendig, doch "die Reben danken es".

Für Nelles war von Kindesbeinen an klar, dass er das vom Vater aufgebaute Gut in Heimersheim übernehmen werde. Er war 21 Jahre alt, frisch absolvierter Weinbau-Techniker, als er daheim antrat. Damals war das Tal der Ahr noch vornehmlich Ziel von Strohhut-Touristen, die nach süßen Rotweinen fragten. Es gab wohl auch trockenen Burgunder, ein ziemlich blasses, mageres und säuerliches Getränk. Zuckerkranke Kurgäste in Bad Neuenahr schluckten dies tapfer hinunter.

"Die Zeiten haben wir abgehakt", stellt Nelles mit einem Anflug von Sarkasmus fest. Heute kommen gediegenere Besucher ins Tal. So hat er fast nur noch herbe Weine im Programm, die aber dank rigoros gesenkter Erträge und großer Fortschritte in der Kellertechnik elegante Fruchtschmeichler sind. "Gault Millau WeinGuide" vergleicht sie kühn mit dem berühmten Volnay aus der Bourgogne. Nun ja: Dort stehen die Reben auf Kalk-Lehm, an der Ahr herrscht Schiefer vor. Der Burgunder von Nelles ist fröhlicher, besitzt dennoch Tiefgang. An der Spitze stehen mächtige, in neuen Barriques gereifte Schätze. Sie tragen merkwürdige Kürzel wie "B 52", die eher zur US-Airforce passten, tatsächlich aber alte Gebinde-Nummern sind.

Für einen schöneren Alltag eignet sich sein - scheinbar - schlichter "Pinot noir" besser. Der Wein ist in großem Holzfass vergoren und gelagert worden. Die Fruchtaromen, die zwischen Kirsche und Brombeeren spielen, tanzen regelrecht auf der Zunge. Im Nachklingen ist der Schiefer zu spüren, auf dem die Trauben gewachsen sind.

Dazu Jägerschnitzel mal ganz anders: Zuerst Pfifferlinge putzen und kurz waschen, danach getrocknete Tomaten (ohne Öl), Schalotten und Rosmarinnadeln klein hacken. Nun Kalbsschnitzel auf beiden Seiten kurz scharf anbraten und im Ofen warm stellen.

In derselben Pfanne die Pilze braten, nach und nach die anderen Zutaten mit nicht zu knapp Sahne beigeben, alles sanft einkochen lassen. Ziegen-Frischkäse in die Sauce rühren. Die Schnitzel mit dem Ragout begießen und mit in heißer Butter geschwenkten, kleinen Pellkartoffeln servieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%