Falkensteins Weinprobe
Ein Kreuzmit dem Erbe

François Frezouls blickt stets nach vorn. Die Vergangenheit ist für ihn lediglich von nachrangigem Interesse.

So hat der 48-Jährige, ein mittelgroßer Mann mit kantigem Gesicht, nie danach gefragt, wer denn die 2,5 Kilometer lange Mauer um sein Landgut gebaut und wer das schmiedeeiserne Kreuz davor errichtet hat. "Irgendwelche Adeligen werden das wohl gewesen sein", meint er.

Seit sieben Generationen gehört der Besitz in Lansargues, halben Weges zwischen Montpellier und Nîmes gelegen, seiner Familie. Die Vorväter waren Bauern und Winzer. Frezouls machte zunächst einmal wenig aus dem Erbe. Die von ihm gegründete Werbemittelfirma Duodisplay beanspruchte ihn weitaus mehr.

Die Erträge von seinen Feldern und Rebgärten gingen an die nächstbeste Genossenschaft. Doch vor 15 Jahren beobachtete der Erbe Frezouls, wie die Weine des Languedoc an Beliebtheit und Ansehen hinzugewannen. Da beschloss er, mehr aus seinen Trauben zu machen. Er holte sich Berater und investierte kräftig in die Kellerei.

Der Herr des Weinguts nutzt als Lagerstätte ein mächtiges altes Gebäude, das zwei natürliche Vorzüge aufweist: Aus einer unter dem Haus liegenden Quelle kann er kaltes Wasser pumpen, mit dem er die Stahltanks während der Gärung des Mosts kühlt; und im Winter öffnet er zwei große Tore - der eisige Mistral weht durch den Keller und macht, dass in den Weinen die Trübstoffe schneller ausfällen.

Als Frezouls über einen griffigen Namen für sein neu erwachtes Weingut nachdachte, wurden Mauer und Kreuz doch noch bedeutsam: Er nannte den Betrieb Enclos de la Croix. Ein tüchtiger Verwalter hilft, so dass sich Unternehmer Frezouls weiter um die Firma kümmern kann, deren Gewinne großenteils in den Wein fließen.

Ein glücklicher Tag war für ihn, als ihm Nicolas, sein Zweitältester, während eines Segeltörns durchs Mittelmeer eröffnete, dass er sich in dem Gut engagieren wolle. Obwohl der junge Mann Kommunikationswirtschaft studiert hat, interessiert er sich für Wein.

Jetzt geht der 2001er in den Verkauf, ein wundersam reifer Roter mit einem faszinierenden Aromenspiel: Es steigen Düfte von Pflaumen, Wildkräutern, Sandelholz, Tabak, auch von Marzipan auf.

Der glutvolle Tropfen verträgt ein herzhaftes Mahl. Am Abend zuvor Lammfüßchen in Rotwein kochen. Stücke von Möhren und Petersilienwurzel, rosa Pfeffer und Thymian zugeben. Nach zwei Stunden das Fleisch herausnehmen, auslösen. Die Brühe anderentags entfetten und im Mixer sämig schlagen. Kräutersalz, Knoblauch, Scheibchen von Steinpilzen zugeben, mit den Fleischstücken noch einmal aufkochen. Dazu Schupfnudeln aus Kartoffelteig und gehackten Korianderblättern.

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