Falkensteins Weinprobe
Ein Mann mit Mut

Mit 45 Jahren, in einem Alter also, in dem die meisten Männer die Krise der Lebensmitte durchgrübeln, wagte Wilhelm Sitzius einen gewaltigen Sprung nach vorn. Da erneuerte der Winzer aus Langenlonsheim an der Nahe seinen verschachtelten Betrieb.

Ein neuer Keller entstand, in dem es von Edelstahl blinkt. Wo sich früher drei enge Häuser auf urfränkischen Fundamenten drängten, entstand nun ein bauliches Schmuckstück. Fast eine halbe Million Euro hat das Vorhaben verschlungen.

Die Familie hatte harte Schläge hinnehmen müssen. Dem Großvater starb das Vieh weg. Der Vater stellte den Hof ganz auf Weinbau um und verunglückte 1982 auf der Fahrt zu Kunden tödlich. Wilhelm Sitzius war 18 Jahre alt und hatte eben die Winzerlehre hinter sich. "Da war keine Zeit mehr für Flausen", griemelt er heute.

Geschickt nahm er Kontakt auf mit Großhändlern, denen er süße Ware andiente - für den Export, hauptsächlich in die Niederlande. Alles lief prächtig. Er kaufte Rebgärten zu. Nebenbei besuchte der Winzer die Weinbauschule in Bad Kreuznach. Dann das nächste Unglück: Der Glykolskandal flog auf. Sitzius hatte nichts damit zu tun, doch sein Geschäft brach zusammen. Niemand wollte mehr süße Weine trinken. "Wir mussten wieder bei null anfangen", erinnert er sich.

Er bot nun trockene Weine an, für die er sich mühsam neue Kunden suchte. Jetzt, 20 Jahre später, gehört er zu den führenden Erzeugern an der Nahe. Der kräftig gebaute Mann mit dem immer noch vollen, dunklen Haar kann mit sich zufrieden sein.

Er besitzt auch gute Lagen an der oberen Nahe, die Ehefrau Sonja mit in die Ehe gebracht hat. Da ist es nicht ganz so warm wie in Langenlonsheim. Auch sind die Böden steiniger. "Dafür wird der Riesling dort ausdrucksvoller und entwickelt sich langsamer", klärt Sitzius auf. Vulkanisches Porphyrgestein bringt eigenwillige rauchige Töne in den Wein.

Die 2002er Spätlese ist eher leicht und trotzdem prall mit Mineralien gefüllt, die fast so etwas wie ein Bizzeln auf der Zunge erzeugen. Der noch jugendliche Tropfen hat eine hinreißend frische Säure, die an Maracuja erinnert.

Zum Weingut gehört auch eine mediterran anmutende Gutsschänke. Ein Renner dort sind Blut- und Leberwurstscheiben paniert und gebacken mit einer zarten Senfsauce. Dazu gibt es einen milden Apfel-Sauerkraut-Salat und Schwenkkartoffeln. Sitzius, Genießer durch und durch, kommt ins Schwärmen: "Zu dem Riesling schmeckt das saulecker!" Die Gutsschänke ist an diesem Wochenende noch geöffnet. Dann erst wieder ab März.

In der Weinprobe vom 22.10. ist uns bei der Rufnummer ein Fehler unterlaufen. Den "Sämling" gibt es bei Weinimport Sagolla, Tel. 089/8415621, Fax 089/84005616.



Vom Porphyr

Wein

2002er Oberhäuser Kieselberg trocken
Rebsorte Riesling
Anbaugebiet Nahe
Analyse 11,9° Alkohol, 8,4 g Säure, 7,6 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2005
Preis 7,20 Euro
Adresse Wilhelm Sitzius Naheweinstraße 87, 55450 Langenlonsheim Tel. 06704/1309, Fax-2781
E-Mail weingut@sitzius.de

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