Falkensteins Weinprobe
Ein Raubtier im Glas

Zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein können und 20 000 Kilometer entfernt voneinander leben, haben gemeinsam etwas Großartiges geschaffen: einen Rotwein, der seinesgleichen sucht.

Der eine ist Lutz Eppard aus dem rheinhessischen Wallertheim, ein rundlicher Genießer mit leicht schütterem Haar. Der 48-Jährige handelte zuerst mit alter Werbegrafik, was überhaupt nicht lief. So wechselte er zu Wein.

Dabei hatte es ihm Australien angetan. Doch die großen Gewächse aus Down Under waren arg teuer und ließen sich nur schlecht verkaufen. Es fehlten Argumente für die hohen Preise.

Eppard sprach mit seinem Partner Jock Harvey, dem Juniorchef vom Estate Slate Creek (Marke: Chalk Hill) im McLaren Vale. Die wellige Landschaft mit Seeblick liegt 1 000 Kilometer von Adelaide und Melbourne entfernt.

Harvey, ein hoch gewachsener, athletischer Typ, erzählte beiläufig von einem Traubenfarmer, der nahebei zwei Parzellen besitzt mit Shiraz-Reben aus der Frühgeschichte des australischen Weinbaus, fast 100 Jahre alt.

Das war?s doch. Harveys talentierte Önologin, die aus Frankreich stammende Emmanuelle Requin-Bekkers, kümmerte sich darum. Der Jungwein reifte 16 Monate in neuen Barrique-Fässern. Am Ende hatte der wuchtige Stoff alle Aromen vom Holz absorbiert. Der Shiraz kam für weitere vier Monate in ungebrauchte Fässer. Stolz nannten die Beteiligten ihre Schöpfung Black Panther.

Ein Konzentrat von ungebärdiger Kraft: Da tobt ein Feuersturm von Brombeeren, Cassis und Schlehen auf der Zunge. Die Frucht ist zuerst so übermächtig, dass sie alle anderen Aromen überdeckt. Erst nach Stunden, wenn sich das Monument geöffnet hat, sind Kräuter- und Bodenaromen zu ahnen. Herrlich ist die handfeste Säure. Sie bewirkt, dass der Wein trotz annähernd 16 Grad Alkohol nicht fett schmeckt.

Es ist ganz klar, dass ein solcher Riese mit dem kräftigsten Essen fertig wird: Reiben Sie ein doppelpfündiges T-Bone-Steak vom besten Weideochsen mit mildem Senf, schwarzem Pfeffer und Meersalz ein. In einer gusseisernen Pfanne erhitzen Sie Schmalz, bis es raucht. Das Fleisch darin jeweils eine Minute von beiden Seiten anbraten. Dann alles für eine Viertelstunde bei 100 Grad in den Ofen geben.

Dazu gibt es in Rinderbrühe gekochte und gestampfte Kartoffeln mit ordentlich Butter, grünem Koriander und abgeriebener Zitronenschale.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%