Falkensteins Weinprobe
Eine gute Erbschaft

Für Alessia Perrucci war es der erste Auftritt auf der internationalen Bühne des Weins. Bei der Vinitaly-Messe im vorigen Jahr in Verona wurde ihr als Neuling ein Plätzchen in einer der hinteren Hallen zugewiesen.

Es schien, als wollte überhaupt kein Kunde an ihren Stand kommen. Am letzten Tag ging sie herum, probierte da und dort, um sich danach wieder ihren eigenen Weinen zuzuwenden. Im Vergleich mit den Erzeugnissen der Wettbewerber durfte sie mit ihrem ersten Jahrgang zufrieden sein.

Es war ein rührender Anblick, wie sie so ganz in sich gekehrt schnupperte und kostete. Erschrocken fuhr sie hoch, als ein Händler sie daraufhin ansprach. Am Ende gab es doch einen Abschluss. So steht jetzt für die Leser des "Weekend Journals" ein gehaltvoller Tropfen bereit, der sonst nur in Italien zu haben ist.

Die zierliche, dennoch energische Frau mit schulterlangem, dunklen Haar, eine Dame durch und durch, stammt aus dem großen apulischen Weinhandel-Unternehmen Pervini. Als der Vater in den Ruhestand ging, übernahmen ihre Brüder Gregori und Fabrizio den Betrieb. Sie selbst erbat als Erbteil für sich ein zur Familie gehörendes kleines Landgut nahe dem Ort Maruggio.

Die Masseria Le Fabriche, zwei Kilometer vom Meer entfernt, umfasst 20 Hektar mit Oliven und Reben. Das Anwesen stammt aus dem 17. Jahrhundert. Ein unschätzbarer Vorteil ist, dass es gut erhaltene, tief in den Untergrund gegrabene Stollen gibt. Es erforderte allerdings viel Mühe, Umsicht und Kosten, dort unterirdisch eine moderne Kellerwirtschaft einzurichten.

"Ein Abenteuer", seufzt Alessia Perrucci. Nun, nach vier Jahren, sind die gröbsten Arbeiten getan. Gemeinsam mit einem Agrartechniker und einem Önologen brachte die neue Chefin die alten Weingärten in Ordnung. An dem Haus wird noch gearbeitet.

Unermüdlich packt sie selbst mit an. Auf die Anforderungen als Leiterin eines Winzerhauses hat sich die 36-Jährige, Mutter von zwei Kindern, lange und gründlich vorbereitet. Sie studierte Wirtschaft und Finanzen mit abschließender Promotion, danach Agrarmarketing, belegte einen Lehrgang für Sommeliers und fügte in Piacenza noch einen Kursus für Lebensmittelchemie an. Schließlich wollte sie als Exportmanagerin Französisch sprechen - und ging zwischendurch für ein paar Monate nach Paris.

Ihr erster Jahrgang war sogleich ein guter Wurf. Der 2001er ist ein sanfter, runder Schluck, der lang nachklingt. Die reiche Frucht von Pflaumen und Johannisbeeren wird von einer Appetit machenden Pfeffernote begleitet. Ein Hauch Minze ist dabei.

Kaninchen mit Bohnen, ein traditionsreiches apulisches Leibgericht, schmeckt mit diesem Wein besonders gut. Das Rezept: Das zerteilte Kaninchen mit Olivenöl in einem gusseisernen Topf anbraten, dann Knoblauch, Peperoncino und Pancetta (durchwachsener Speck), alles klein geschnitten, zugeben und mit Weißwein ablöschen. Anschließend kommen enthäutete und gewürfelte Tomaten sowie Zweige von Thymian und Salbei dazu. Alles im Ofen eine Stunde lang garen und mit dicken weißen Bohnen (warum nicht aus der Dose?) servieren.

Vom Landgut

Wein 2001er Puglia Rosso

Rebsorten Negroamaro, Malvasia nera, Cabernet-Sauvignon

Anbaugebiet Apulien/Italien

Analyse 13,5° Alkohol, 5,3 g Säure, 2,2 g Rest- zucker (pro Liter)

Mindestens haltbar bis Ende 2005

Preis 9,60 Euro

Adresse Ausgesuchte Weine, Am Hohen Haus 2, 47799 Krefeld, Tel. 02151/25656, Fax-28884, E-Mail pohl@ausgesuchte-weine.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%