Falkensteins Weinprobe
Eine gute Tat, die schmeckt

Auf dem Weingut der Stiftung St.-Nikolaus-Hospital in Bernkastel-Kues arbeiten behinderte Menschen mit. Vom Jahrgang 2005 liegt eine füllige Spätlese vor. Der Wein gehört zu jenen charaktervollen, spät reifenden Gewächsen, die in den ersten Jahren öfter den Geschmack wechseln. Doch mehr und mehr öffnet sich jetzt der noble Trunk.

Michael, 28 Jahre alt, verfügt über eine feine Nase. Er riecht schon von weitem, wenn sich Essig-Bakterien in eine Traube eingenistet haben. Und das war bei der Lese in diesem von Fäulnis geprägten Herbst überaus wichtig. Michael schnitt die befallenen Früchte heraus. "Bäh, weg damit", sagte er jedes Mal.

Michael ist geistig behindert. Er hatte als Baby Hirnhautentzündung bekommen. Er lallt oft mehr, als er spricht. Ein wenig zählen kann er, doch mit Lesen und Schreiben ist es nicht weit her.

Michael ist Mitarbeiter der Stiftung St.-Nikolaus-Hospital in Bernkastel-Kues. Dieses Sozialwerk wurde 1458 von Kardinal Nikolaus Cusanus gegründet. Die Einrichtung besitzt Rebberge in besten Lagen von Bernkastel, Wehlen, Graach und Brauneberg.

Längere Zeit ging sie durch mehrere Hände. Vorletzter Eigner war ein Hermann Prinz zu Sachsen, der sich unter Hinterlassung beträchtlicher Schulden absetzte.

Seit 1990 gehört die Einrichtung zum Rot-Kreuz-Sozialwerk, das hoch über Bernkastel-Kues den Cusanus-Hof betreibt mit Wein, Obst, Gemüse, Landbau und Rebveredlung. Eine Sektkellerei, ein Café und eine Pferdepension, die Mist für die Weinberge liefert, gehören dazu. Und: 600 behinderte Menschen werden dort sinnvoll beschäftigt.

2000 stieß Volker Emmrich dazu, 41 Jahre alt, 1,94 Meter groß, mit Fünf-Tage-Bart ausgestattet. Zuvor war er bei der Biologischen Bundesanstalt in Bernkastel. Er schuf Ordnung in den halb verwilderten Weinbergen, sah auf allerbeste Qualität und kurbelte den Verkauf an. In diesen Tagen erhält das Weingut den Staatsehrenpreis.

Vom Jahrgang 2005 liegt eine füllige Spätlese vor. Der Wein gehört zu jenen charaktervollen, spät reifenden Gewächsen, die in den ersten Jahren öfter den Geschmack wechseln. Im Juni herrschten Kräuternoten vor. Gerade schmeckt der Schiefer von der steilen Lage Lay in Bernkastel durch.

Doch mehr und mehr öffnet sich jetzt der noble Trunk und gibt die satte Frucht von Aprikosen und Birnen frei. Füllen Sie den Wein morgens in eine Karaffe, die Sie bis zum Abend kalt stellen.

Dazu Forellen, die mit frischen, möglichst kleinen Spinatblättern gefüllt werden. Die Fische mit Öl einpinseln, salzen, pfeffern, in Alufolie wickeln und für zwölf Minuten im vorgeheizten Ofen bei 160 Grad garen. Die rechte Beilage ist ein milder Kartoffelsalat mit etwas Zitrone, viel Schnittlauch und, nicht zu knapp, gutem Olivenöl.

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