Falkensteins Weinprobe
Feines vom Schloss

Vor drei Jahren ging es Georg Hünnerkopf überhaupt nicht gut. "Ich bin damals fast zerbrochen", erzählt der Verwalter des Gräflich-Schönborn?schen Schlosses Hallburg an der alten Mainschleife in Franken. Der Mann hatte seinen Mitarbeitern auf die Finger geschaut, jeden Rebstock selbst geprüft. Im Keller herrschte peinliche Sauberkeit. Und doch: Als die 2002er-Weine vergoren waren, traten altbekannte muffige Töne auf.

An den Trauben lag?s nicht, wie ihm allseits bestätigt wurde. Der Fehler musste im Keller zu suchen sein. Endlich geriet er an den richtigen Fachmann, an Dieter Blankenhorn von der Weinbauschule Weinsberg in Württemberg. Der ließ an verschiedenen Stellen bohren und fand endlich die Ursache: Der Keller war 1980 umgebaut und mit Styropor isoliert worden. Das ging 15 Jahre lang gut. Dann bildeten sich Risse, in denen sich Penicillium glabrum ansiedelte, ein übler Pilz.

Also machte sich Hünnerkopf auf ins nahe Wiesentheid, zum Stammsitz der Schönborns, um Geld für eine Renovierung des Kellers lockerzumachen. Graf Paul seufzte. Das Weingut in Franken ist nur eines von vielen seiner Unternehmen. Doch er zahlte. Seitdem sind die Weine von der Hallburg von höchster Brillanz.

Das Schloss liegt auf einer Anhöhe etwas abseits vom Main. Die Rebberge blicken zwar nach Süden, es fehlt aber die Sonnenspiegelung vom Fluss. Das ist heute bei den ständig steigenden Temperaturen kein Nachteil mehr. Die Hallburg?schen Weine sind dadurch filigraner, längst nicht so mächtig wie die legendären Gewächse von den benachbarten Escherndorfer Lagen.

Georg Hünnerkopf, mittelgroß und sportlich gestählt, obwohl ihm für die geliebten Bergtouren die Zeit fehlt, fühlt sich nun "mehr als glücklich". Der 47-Jährige arbeitet seit 1975 bei den Grafen von Schönborn, 1986 wurde er Verwalter im Schloss Hallburg. So wie er sich vom Schreibtisch lösen kann, fährt er mit seinem Motorroller die Rebgärten ab, die fast ökologisch bewirtschaftet werden. Begrünung ist selbstverständlich, alle vier Jahre Stallmist ebenso.

Der rechte Schluck zum Sommerstart ist der Silvaner Kabinett trocken. An diesem Wein ist alles zart und dezent: der an Majoran erinnernde Kräuterduft, die Frucht von Mirabellen, die Muschelkalk-Aromen.

Dazu ein nobles Fischgericht: Grünen Spargel putzen und in fünf Millimeter dicke Rädchen schneiden, in Butter sanft anbraten, ein halbes Glas Wein und eine Tasse von der Spargelbrühe zugießen. Die Flüssigkeit auf die Hälfte zusammenkochen und mit Crème fraîche verfeinern. Filets vom Adlerfisch in halb Öl, halb Butter zuerst auf der Fleischseite, dann auf der Haut braten. Dazu passt Kartoffelpüree.

  • Wein:

    2005er Graf von Schönborn Kabinett trocken
  • Rebsorte:

    Silvaner
  • Anbaugebiet:

    Franken
  • Analyse:

    11,5° Alkohol; 5,8 g Säure; 6,0 g Restzucker (pro Liter)
  • Mindestens haltbar bis:

    2007
  • Preis:

    7 Euro
  • Adresse:

    Weingut Graf von Schönborn, Schloss Hallburg, 97 332 Volkach, Tel. 0 93  81 / 24  15, Fax 37  80 E-Mail schlosshallburg@schoenborn.de
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