Falkensteins Weinprobe
Frühlingsduft im Glas

Als Michael Fleischer drei Jahre alt war, begab er sich mit seinem Rädchen auf eine viel befahrene Straße. Nachbarn fischten ihn herunter. Er wollte sich aber nicht aufhalten lassen. "Isch fahr zum Babba in de Wingert", beharrte er.

Der Vater und die Weinberge waren für den Jungen sein Ein und Alles. Und dabei ist es bis heute geblieben. Der Sohn, jetzt 31 Jahre alt, hatte niemals Zweifel daran, dass er Winzer werden wollte. Und mit seinem Erzeuger versteht er sich gut.

Sie sind ein prächtiges Gespann, beide groß, schlank und sportlich. Hans Willi Fleischer, der 61-jährige Senior, leicht ergraut, trägt Bart und Haupthaar kurz geschoren. Der Sohn kokettiert mit einem Spitzbärtchen.

Den Rebbau im Mainzer Vorort Hechtsheim gibt es schon seit mehr als 250 Jahren. Als der Vater im völlig verregneten Sommer 1965 den Hof übernahm, wusste er trotz seiner Jugend "genau, wo ich hin wollte".

Er schaffte die Landwirtschaft ab und erneuerte die Weinberge, setzte vor allem klassische Reben. "Ich hatte nur ein Lebensziel: schönen Wein zu machen", erzählt der Senior. Gerne hätte er gesehen, dass der Sohn studierte. Doch dem war die Meisterprüfung in Oppenheim genug. Er wollte in die Praxis.

Es fügte sich gut, dass ein junger Australier ein Praktikum in Hechtsheim machte. Der entführte den Junior ins Barossa Valley, wo er vor allem die Bereitung von Rotwein lernte.

Und es passte gut, dass die Stadt Mainz 1994 ihr defizitäres Weingut im nahen Harxheim abstieß. Die Fleischers bekamen den Zuschlag und übernahmen beste Lagen samt einem wunderschönen alten Fachwerkhaus, in dem sie ein Restaurant einrichteten und eine Wohnung für den Sohn.

Jetzt hat das Weingut ein bezauberndes junges Früchtchen gekeltert: den neuen Rivaner. Eigentlich heißt die Sorte Müller-Thurgau und wird meist scheel angesehen. "Daraus lässt sich aber auch ein schöner Wein machen", sagt Hans Willi Fleischer. Vor allem wenn die Reben über 20 Jahre alt sind und nicht mehr viel tragen.

Der (mit einem Glasstopfen verschlossene) Jungwein duftet nach Frühjahr, nach Linden- und Holunderblüte. Unter die feine Frucht von Mirabellen mischt sich ein zartes Veilchenaroma.

Michael Fleischer übrigens kocht gut und gerne. Er hatte sogar mit dem Gedanken gespielt, die Küche im alten Stadtweingut selbst zu leiten. Das aber wäre neben der Winzerarbeit nicht machbar gewesen.

Aus seiner Sammlung von Rezepten empfiehlt er zu dem jungen Wein dieses Gericht: Medaillons vom Seeteufel salzen, pfeffern und, mit etwas Mehl bestäubt, in Öl kurz braten und warm stellen. In dieselbe Pfanne Rauten von rotem und gelbem Paprika mit gehackter Schalotte und etwas Knoblauch geben, anschmoren, dann ein Glas Rivaner und nach zwei Minuten Köcheln Sahne zugießen. Nicht mit Petersilie sparen und mit Eierbandnudeln servieren.



Junger Genuss

Wein

2004 Rivaner trocken
Rebsorte Müller-Thurgau
Anbaugebiet Rheinhessen
Analyse 12,2 Alkohol, 5,8g Säure, 7,0g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2005
Preis 3,25 Euro
Adresse Weingut Fleischer, Rheinhessenstraße 103, 55 129 Mainz Tel. 061 31/59 79 7, Fax-59 26 85
E-Mail hansw.fleischer@gmx.de

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