Falkensteins Weinprobe
Funkelnder Rubin

Die Schwaben mögen putzige Begriffe. Ein hübsches Beispiel dafür ist Riedersbückele. Das ist der Name eines Weinberges im Süden der Hölderlin-Stadt Lauffen am Neckar. Die 14 Hektar große Fläche gehört allein dem Weingut Eberbach-Schäfer. Hier ensteht ein betörender, rubinroter Lemberger.
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Den Südost-Hang, auf dem zum Teil sehr alte Reben stehen und bunt gemischte Wildkräuter sich wohlfühlen dürfen, hatte Großvater Friedrich Eberbach gleich nach Kriegsende Fleckchen für Fleckchen zusammengekauft. Das Geld dafür sparte er sich im Wortsinn vom Munde ab.

Ein Schelmenstück gelang ihm, als er Soldaten einer amerikanischen Pioniereinheit mit ein paar Flaschen Wein dazu bewegte, dass sie – zu Übungszwecken natürlich – eine mächtige Grube oberhalb der Weingärten aushoben. Daraus wurde ein kleiner See, aus dem die Reben bei Trockenheit bewässert werden können.

Fast 90 Jahre alt war er, als er vor wenigen Monaten starb. Er durfte hochzufrieden sein mit dem, was aus seinem Besitz geworden ist. Denn Schwiegersohn Willi Schäfer, der früher Kellermeister bei einer großen Genossenschaft war, hatte all seine Kenntnisse in das Gut eingebracht – mit dem unbestreitbar angenehmen Unterschied, dass er nun eigene Trauben verarbeitete. Enkel Frieder gar hat Weinbau an der namhaften Hochschule in Geisenheim studiert.

Frieder Schäfer, 31 Jahre alt, sportlich-drahtig, kümmert sich vor allem um die Betriebswirtschaft. Dem Senior, der auch als 65-Jähriger noch voll im Einsatz ist, erweist der Sohn Respekt: „Bei mir ist es viel Bücherwissen“, räumt er bescheiden ein. „Doch die praktische Erfahrung, die der Vater in 40 Herbsten gesammelt hat, ist nicht zu schlagen.“ Wer das Gut besucht, spürt gleich den Gemeinsinn dort. Das Ergebnis: beachtliche Weine.

Vom Weinberg Riedersbückele ist ein wie Rubin funkelnder Lemberger zu empfehlen. Er duftet fein nach Zigarrenkiste, Pfeffer und Beerenfrüchten. Der lang anhaltende Geschmack von roten Johannisbeeren ist betörend.

Ein schlichtes Sommerabendmahl sollte dazu munden: mehlige Kartoffeln in reichlich Rinderbrühe kochen und zu einem sämigen Mus stampfen. Feine Streifen vom Lauchgrün zugeben. Derweil auf dem Grill ein T-Bone-Steak schmoren.

Vom Riedersbückele

  • Jahrgang:

    2005
  • Rebsorte:

    Lemberger
  • Anbaugebiet:

    Württemberg
  • Analyse:

    13,3ll Alkohol, 4,1 g Säure, 1,2 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis:

    2010
  • Preis ab Gut:

    5,50 Euro

Adresse:
Weingut Eberbach-Schäfer
Im Rieder 6
74348 Lauffen am Neckar
Tel. 071 33/52 22, Fax -74 85
weingut@eberbach-schaefer.de
www.eberbach-schaefer.de

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