Falkensteins Weinprobe
Großväter-Art

Als Laurent Maynadier sich nach seinem Studium daran machte, ein Weingut zu gründen, war sein Vater entsetzt. Nachdem er die ältesten Winzer der Region befragt hatte, veränderte der Junior in den Rebgärten so ziemlich alles. Vater und Sohn einigten sich auf einen Mittelweg, der dem Champ des S?urs rouge 2004 nicht zum Nachteil gereicht.

Das französische Qualitätswein-Institut INAO startete 1949 einen Versuchsballon. Es wollte den Winzern im Languedoc, die damals nichts als Massen billigster Brühe erzeugten, ein Zeichen geben, dass es sich lohnt, weniger zu ernten und etwas Besseres auf Flaschen zu füllen.

Das Städtchen Fitou ganz im Westen der Region wurde mit einer eigenen Appellation d?Origine geadelt, einer streng geregelten Herkunftsbezeichnung. Das Gebiet umfasste seinerzeit rund 2 000 Hektar Weingärten, eben mal ein halbes Prozent der gesamten französischen Rebfläche. Damit war keine Störung auf dem Markt für Qualitätsweine zu erwarten. Aber das Signal sollte später Wirkung zeigen.

Fitou wurde und wird immer noch von einer großen Genossenschaft beherrscht, die damals als vorbildlich galt und heute trinkbares Mittelmaß produziert. Bis vor einigen Jahren war Bernard Maynadier Mitglied dieser Kooperative. Doch dann kehrte Sohn Laurent heim als diplomierter Önologe der Universität Montpellier und beschloss, ein Weingut zu gründen.

Das Château du Champ des S?urs entstand, benannt nach einem alten Weinberg nahebei. Alles ist denkbar einfach gestaltet. Die alten Holzbottiche und eine fast antik zu nennende Presse im Keller, billig erstanden, tun es noch.

Zum anfänglichen Entsetzen des Vaters veränderte der Junior in den Rebgärten so ziemlich alles, nachdem er die ältesten Winzer befragt hatte. Er wollte schlanke, knackige Weine wie ehedem, nicht jene Alkoholbomben, wie sie heute gängig sind.

Der 35-Jährige, mittelgroß und kräftig gebaut, mit kurz geschorenem Haar und einer verwegenen Narbe auf der Stirn, entführt den Besucher in einen steinigen Weinberg, von dem aus das Mittelmeer und die verschneiten Gipfel der Pyrenäen zu sehen sind. Dort kann er am besten erklären.

Am liebsten hätte er Reben in Buschform gehabt wie zu Großvaters Zeiten. Aber nun gab es bereits die Spaliere vom Vater. Es wäre Wahnsinn gewesen, sie auszuhauen.

Der Sohn fand einen Mittelweg: Er schneidet die Weinstöcke so kurz, dass die Trauben knapp einen Meter über dem Boden hängen. Dichtes Laub schützt sie vor der sengenden Sonne. Dazu bringt er Grünsaaten ein, die er regelmäßig untergräbt. So bekommen die Reben Konkurrenz und produzieren nicht so viel Zucker.

Der Champ des S?urs rouge 2004 duftet und schmeckt nach Mandeln und Brombeeren. Er ist glutvoll, gar feurig, doch keineswegs feist.

Der Wein wurde zu einem Hirschgulasch gereicht mit einem Püree aus Kartoffeln, Sellerie und einem halben, säuerlichen Apfel. Köstlich.

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