Falkensteins Weinprobe
Großvaters Vermächtnis

Der Frühburgunder erfreut sich neuerdings wieder einiger Beliebtheit - bei Winzern wie bei Zechern. Es ist Julius Wasem zu verdanken, dass diese Sorte, die schon so gut wie ausgestorben war, überhaupt noch angebaut wird. Bis zu seinem Tod 1972 übte der Mann mit Bundesverdienstkreuz und Vollbart starken Einfluss in Rheinhessen aus.

Julius Wasem prägte einen ganz eigenen Rotwein: äußerst weich und immer ein wenig süßlich. Viele Winzer der Region haben es ihm nachgemacht. Heute wird das belächelt. Die Rheinhessen bevorzugen nun kernig-fruchtige Rotweine mit spürbarer Gerbsäure. Julius Wasems Verdienst, als Erhaltungszüchter den Frühburgunder gerettet zu haben, bleibt jedoch unbestritten.

Seine Enkelsöhne bewirtschaften heute den Rodensteiner Hof mitten im malerischen Ortsteil Oberingelheim. 34 Hektar Reben liegen rund um das Gut, zu zwei Dritteln mit roten Sorten bestockt. Die Cousins, beide studierte Weinbautechniker, beide groß und kräftig, mit jungenhaftem Auftreten, arbeiten gut zusammen. Der 49-jährige Holger Wasem organisiert den Betrieb, der sieben Jahre jüngere Burkhard schafft im Keller. Die dritte Generation hat einiges modernisiert, aber auch vieles beim Alten belassen. Die Erinnerung an Julius Wasem ist in jedem Winkel zu spüren. Im Herbst 2004 war die Ausbeute beim Frühburgunder gering. Die Trauben enthielten viele Beeren ohne Kerne, erbsengroß und zuckersüß. Die brachten Fülle und Extrakt. Es entstand eine mächtige Auslese, die zu einem Zehntel im Barrique, ansonsten im großen Fass reifte.

Ein liebenswert altmodischer Schluck: Die Machart erinnert ein wenig an den Stil des Großvaters, nur dass der Wein heute völlig trocken ist und auch etwas mehr Säure hat. Die Aromen von Trockenpflaumen, Zimt und Kardamom passen vollkommen in die Jahreszeit. Der festliche Tropfen glüht lange auf der Zunge nach.

Dazu ein ungewöhnliches Wildgericht: Lassen Sie sich beim Händler eine daumendicke Scheibe aus der Hirsch- oder Rehkeule schneiden (100 g pro Person). Für die Sauce nehmen Sie Knochen und Reststücke mit, die Sie mit ganzen Schalotten und Petersilienwurzeln in Schmalz anbraten. Halb Wasser, halb Rotwein dazugießen und eine Stunde kochen. Abseihen, Brühe und Gemüse mit dem Pürierstab sämig schlagen. Einen Teelöffel Brombeergelee, Sahne und eine Messerspitze scharfen Senf einrühren. Das Fleisch in Streifen schneiden, die zuerst mit durchwachsenem Speck, dann mit Wirsingblättern schraubenförmig umwickelt werden. Mit Küchengarn festbinden, in einer großen Pfanne anbraten, Sauce zugeben und alles zehn Minuten schmoren. Mit Püree (halb Kartoffeln, halb Maronen) servieren.

Ingelheimer Horn Auslese

  • Jahrgang:

    2004
  • Rebsorte:

    Frühburgunder
  • Anbaugebiet:

    Rheinhessen
  • Analyse:

    14,4° Alkohol, 4,8 g Säure, 1,1 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis:

    Sommer 2009
  • Preis ab Keller:

    15,50 Euro
  • Adresse:

    Julius Wasem und Söhne, Edelgasse 5, 55218 Ingelheim; Tel. 061 32/2220, Fax - 24 48, info@weingut-wasem.de, » www.weingut-wasem.de
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