Falkensteins Weinprobe: Herbstlaub und Orangenschalen

Falkensteins Weinprobe
Herbstlaub und Orangenschalen

Peter Hohn ist wieder da. Die schweren Folgen seines Unfalls vor zwei Jahren sind überwunden. Die 2007er-Ernte hat er mit alter Kraft und Begeisterung eingebracht. Die Freude im Ort darüber, dass der große Mann mit der hellen Stimme wieder zupacken kann, ist ehrlich.

Beim 2006er lag Peter Hohn noch danieder, konnte sich nach dem Sturz mit dem Motorrad an nichts mehr erinnern. Da halfen die Kollegen im Ort kameradschaftlich im Weinberg wie im Keller.

Die Freude im Ort darüber, dass der große Mann mit der hellen Stimme wieder zupacken kann, ist ehrlich. Zählt der 42-Jährige doch zu den Lokalheroen, die dafür stehen, dass Leutesdorf nicht ganz in Vergessenheit gerät. Denn die zwischen Koblenz und Bonn gelegene 2000-Seelen-Gemeinde ist wenig bekannt, obwohl sie über erstklassige Weinberge verfügt und auch ansehnliche historische Bauten vorzuweisen hat.

Leutesdorf gehört zu den vier wichtigen Winzerorten am Mittelrhein, kann es aber mit der Lebendigkeit von Bacharach oder Boppard nicht aufnehmen. Die Ortsdurchfahrt ist öde. Der durcheilende Autofahrer ahnt nicht, welch hübsche Ausblicke zwischen Bundesstraße 42 und dem Rheinufer er versäumt. Als junger Kerl schmiss Peter Hohn die Schule und wollte nur weg von Zuhause. Er lernte Weinbau an der Nahe und war danach eine Zeit lang in der Bridgeview Winery in Oregon tätig. "Ich brauchte zehn Jahre, um meinen Weg zu finden", erzählt er. Als aber der Vater schwer erkrankte und seine Weinberge nicht mehr bestellen konnte, war der Sohn sofort zur Stelle. 1991 übernahm er die Leitung des kleinen Gutes, das er Zug um Zug ausbaute.

Hohn liebt seine Weine abgelagert: "Der Riesling schmeckt doch erst richtig, wenn er drei, vier Jahre alt ist." Wie recht er hat, zeigt der Classic von 2004, der noch zu haben ist, weil der Verkauf nach dem Unfall einige Zeit stockte.

Diese Köstlichkeit braucht unbedingt Sauerstoff. Dann erst gibt sie die ganze Fülle der Aromen preis. Die Frucht von vollreifem, gelbem Pfirsich herrscht vor, umspielt von jenen eigenartigen Schiefer-Düften, wie sie für die Weine aus Leutesdorf typisch sind. Beim Kosten werden Erinnerungen wach an Herbstlaub und Bahnschotter, Orangenschalen und Schultafel, Honig und Bienenwachs. Eine Andeutung von Süße verstärkt das noch.

Das ideale Gericht in dieser lausigen Jahreszeit ist eine heiße, kräftige Suppe. Ein ordentliches Huhn vom Bauern wird viergeteilt und, mit Wasser bedeckt, weich gegart. Danach Brühe kalt stellen und entfetten. Darin Reis mit kleinen Stücken von Möhren, Sellerie und Petersilienwurzeln kochen. Das von den Knochen gelöste Fleisch würfeln und zugeben. Mit gehackter Pfefferschote, Petersilie, Kräutersalz, etwas abgeriebener Zitronenschale und einem halben Teelöffel Honig würzen. Das schmeckt, passt gut zu dem Riesling und beugt Erkältung vor.

Leutesdorfer Classic

  • Jahrgang:

    2004
  • Rebsorte:

    Riesling
  • Anbaugebiet:

    Mittelrhein
  • Analyse:

    12,2° Alkohol, 7,3 g Säure, 11,8 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis:

    Ende 2008
  • Preis ab Hof:

    5,40 Euro
  • Adresse:

    Weingut Peter Hohn; In der Gartenlay 50, 56599 Leutesdorf, Tel. 026 31/718 17; Fax - 722 09; info@weingut-hohn.de; » www.weingut-hohn.de
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