Falkensteins Weinprobe
Hoch über dem Rhein-Rummel

Wie heißt die älteste deutsche Weinmarke? Kleine Reblaus? Himmlisches Tröpfchen? Goldener Oktober? Alles falsch. Anno 1903 ließ Friedrich Fendel aus Rüdesheim den Namen "fum Allerhinderschde" beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin eintragen.

Heute noch verwenden seine Nachfahren diese Bezeichnung. Sie weist auf den hintersten Winkel des Kellergewölbes hin, wo gemeinhin die besseren Tropfen liegen.

Das schönste Erbe aber, das der alte Fendel hinterließ, ist der Gutshof. Das Fachwerkhaus liegt hoch über Rüdesheim, hoch über dem Drosselgassen-Rummel. Ein Restaurant ist dort eingerichtet. Die Gäste genießen Leckereien zum Riesling des Hauses, garniert mit einer beeindruckenden Aussicht auf den Rhein.

In vierter Generation betreiben jetzt die Brüder Paul Peter und Walter Hetzert, 46 und 44 Jahre alt, einträchtig das Weingut Friedrich Fendel. Beide sind hochgewachsen, kräftig, aber schlank und haben volles, dunkelblondes Haar. Walter wird häufig für den älteren Bruder gehalten. Das mag daran liegen, dass der diplomierte Betriebswirt als kaufmännischer Leiter meist im Anzug auftritt. Paul Peter hingegen darf als Winzermeister locker daherkommen. Das Weingut ist in mehreren "Ersten Lagen" begütert. Dazu gehört der Klosterlay unterhalb der Benediktinerinnen-Abtei St. Hildegard im Ortsteil Eibingen.

Der Hang liegt geologisch zwischen dem Schiefer des Rüdesheimer Bergs und den Löss-Lehm-Böden flussaufwärts. Der Riesling von dort besitzt schon ein wenig von der klassischen Rheingauer Fülle, zeigt aber auch noch die rassige Anmutung der Bergweine.

Der zart grüngelbe Kabinett-Riesling vom Klosterlay verströmt feine mineralische Töne. Am meisten überrascht der Duft. Er erinnert an den Geruch von jenem Kraut, das nach der Kartoffelernte in der Sonne trocknet und sich - herrliches Vergnügen - trefflich zum Feuermachen eignet.

Der Wein muss eine Weile offen stehen. Dann öffnet sich das saftige Aroma von weißen Pfirsichen. Karl-Werner Held, Koch in der Gutsschänke "Fendel?s", empfiehlt dazu "Unser Himmel und Erd".

Für vier Personen am Abend zuvor ein Kilo Braeburn-Äpfel schälen, achteln, entkernen und mit Zitronensaft beträufeln. Vier Esslöffel Zucker in der Pfanne karamellisieren, mit Riesling ablöschen, Zimt, Nelken und zwei halbe Zitronen zugeben. Darin die Apfelstücke einmal kurz aufkochen und über Nacht kühl stellen. Ein Kilo Salatkartoffeln mit Kümmel kochen und pellen. Anderntags vier Zwiebeln in Streifen schneiden, goldbraun rösten. Kartoffelscheiben mit Dörrfleischwürfeln braten. Apfelschnitze anwärmen. Zuletzt geräucherte Blutwurst daumendick schneiden, in Rapsöl knusprig braten und die Zwiebeln draufhäufeln.

Rüdesheimer Klosterlay

  • Jahrgang: 2006
  • Rebsorten: Riesling
  • Anbaugebiet: Rheingau
  • Analyse: 11,7° Alkohol, 7,8 g Säure, 7,7 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken: bis 2010
  • Preis: 6,50 Euro
  • Adresse: Weingut Friedrich Fendel, Marienthaler Straße 46, 65385 Rüdesheim; Tel. 067 22/905 70, Fax - 90 57 66; » www.friedrich-fendel.de
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