FALKENSTEINS WEINPROBE
Kirschen aus Kalifornien

Manfred Esser muss immer wieder etwas Neues anfangen, "auch wenn die Familie dann ein jedes Mal vernehmlich aufstöhnt." So verwirklichte er sich mit 60 Jahren, in einem Alter also, in dem andere Männer an den Ruhestand denken, einen Lebenstraum. "Ich will meinen Namen nicht immer nur auf Briefbogen, sondern auch einmal auf einer Flasche lesen", sagte er sich - und gründete die Esser Cellars mit Sitz in St. Helena am oberen Ende des Napa Valley.

Der kleine, kahlhäuptige Mann, dessen Augen listig blitzen können und dessen Pfeffer-und-Salz-Bart ein mitunter faunisches Lächeln einrahmt, ist gebürtiger Kölner. Seine viel gewundene Laufbahn begann er als Pieroth-Verkäufer. Später organisierte er Wahlkämpfe für die CDU, was er im Rückblick als "besonders lehrreich" empfindet. 1974 wanderte Esser nach Kalifornien aus, machte dort ein Dutzend Jobs und wurde schließlich Geschäftsführer der noblen Cuvaison Winery in Caligosta.

Das ging lange gut. Dann packte ihn wieder die Ruhelosigkeit. Eine Weinagentur entstand, die aber nur Zwischenstation auf dem Weg zur eigenen Kellerei war. Er suchte und fand Mitstreiter, vor allem Paul Moser, einen der führenden Önologen Kaliforniens.

Esser, jetzt 65 Jahre alt, weiß, wo es im Napa Valley gute Trauben zu kaufen gibt, und Moser macht daraus köstliche Weine, die nicht gar so wuchtig schmecken wie sonst in Kalifornien üblich, sondern eher verspielt daherkommen. Der Cabernet-Sauvignon von 2001 verführt mit saftigen Kirscharomen. Der Wein ist rund, samtig und bleibt lange auf der Zunge. Aber Vorsicht: Die anregende Fruchtsäure macht vergessen, dass dieser Kalifornier alles andere als ein Leichtgewicht ist.

Zu diesem Wein sei ein spätsommerlicher Salat empfohlen: Ein Pfund Fleisch aus der Rehkeule in Bouillon garen, später in Scheiben schneiden. Pfifferlinge und kleinstgehackte Schalotten in Öl dünsten, am Ende ungezuckerte Preiselbeeren aus der Dose zugeben. Alles in ein Sieb schütten und den Saft auffangen und dann kurz aufkochen. Pilze und Beeren vorsichtig unter die Fleischscheiben heben. Die Mischung wird kreisförmig auf den Tellern drapiert und mit dem kochend heißen Saft übergossen. In die Mitte kommt Feldsalat. Dazu Baguette reichen.

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