Falkensteins Weinprobe: König quartiert Stecklinge um

Falkensteins Weinprobe
König quartiert Stecklinge um

Für gewöhnlich sagt ein Winzer, er habe seinen Weinberg mit dieser oder jener Rebsorte bestockt. François Cazin aus Cheverny an der Loire drückt sich um einiges erhabener aus: "Quatre hectares sont consacrés au Romorantin." Gewidmet, wenn nicht gar geweiht hat er dieser Traube vier Hektar Boden.

Diese pathetische Ausdrucksweise sei gestattet. Ist doch der Romorantin geradezu ein Kulturgut. Es gibt 60 Hektar davon, weltweit. In elf Gemeinden rund um die Stadt Cheverny ist die Sorte zugelassen.

Verbreitung und Name gehen auf König François I. zurück, der ein gerissener Vollblut-Politiker war, aber auch die schönen Seiten des Lebens zu schätzen wusste. 1519 ließ der Monarch 80 000 Stecklinge einer in Burgund hochgeschätzten Rebe an die Loire kommen.

Er gedachte, damit Weingärten rund um ein geplantes Schloss zu bepflanzen. Der Bau nahe dem Weiler Romorantin, zu dem Leonardo da Vinci Entwürfe geliefert haben soll, kam nie zustande. Stattdessen ließ der König Chambord errichten, das prunkvollste Château an der Loire. Das Weingut von François Cazin heißt "Le petit Chambord", ist aber ein schlichtes Hofgut, gewiss kein Schloss. Den kecken Namen hat Großvater Edgar erfunden. Gerne erzählte der Alte, dass seine ersten Romorantin-Stöcke Ableger der alten Reben von Chambord gewesen seien. Also habe er seinen Betrieb so nennen dürfen.

Ein kleiner Teil der Weingärten, die der Enkel heute bewirtschaftet, stammt noch aus Großvaters Zeit. Auf diesen Flächen erntet er nur wenige Trauben. Doch die liefern einen besonders extraktreichen Most. Die jüngeren Bestände, auch schon 35 Jahre alt, wurden nach und nach auf die alten Rebstöcke aufgepfropft.

Der 49-jährige François Cazin, ein großer, schlanker Mann, der eine unerschütterliche Ruhe ausstrahlt, achtet bei der Ernte mit geradezu fanatischer Strenge darauf, dass nur völlig gesundes Lesegut in die Kelter kommt. Er hält nichts davon, den Most lange im Fass liegen zu lassen. Lieber füllt er den Wein früh in Flaschen. "So bewahre ich die ganze Frische der Traube", erklärt er.

Cazins Romorantin ist ein eigenwilliger Tropfen, kein Schmeichler. Die fruchtigen Aromen von Birne, auch von Ananas sind nur angedeutet. Töne von Bienenwachs und Honig mischen sich ein, ebenso erdige Noten von der mit Kieseln durchsetzten Tonerde. Dazu Forellen: Die Fische in halb Wasser, halb weißem Wermut garen. Filets auslösen, warm stellen. Fenchel in hauchdünne Scheiben hobeln, in reichlich Butter braten. Fischsud einkochen, zum Gemüse gießen, aufwallen lassen, auf vorgewärmte Teller verteilen. Filets darauf legen. Mit feingehacktem Fenchelgrün bestreuen. Dazu Reis.

Cour-Cheverny

  • Jahrgang:

    2006
  • Rebsorte:

    Romorantin
  • Anbaugebiet:

    Loire
  • Analyse:

    13,8ll Alkohol,4,8 g Säure, 7,9 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis:

    2009
  • Preis:

    7,65 Euro

Adresse
Weine der Loire
Giether Straße 51
47877 Willich
Tel. 02156/41 379
Fax - 97 95 47
E-Mail: anratherweinhof@weine-der-loire.de
» www.weine-der-loire.de

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