Falkensteins Weinprobe
Könner in Keller und Küche

Cigales ist ein kleines, ziemlich unbekanntes Weinbaugebiet in Spanien, das erst 1991 in die Wein-Oberliga aufestiegen ist. Zu den Pionieren zählt die Familie Gonzáles Lara in Mucientes. Sohn Manuel ist Chef der familieneigenen Bodega. 2004 ist dem Winzer-Wirt ein hinreißend temperamentvoller Rosado gelungen.

Cigales ist ein kleines, ziemlich unbekanntes Weinbaugebiet in Spanien. Das Ländchen nördlich der Kastilien-Hauptstadt Valladolid bekam erst spät eine Herkunftsbezeichnung. Früher wurden auf der staubigen Hochebene dort vornehmlich altbackene, blass rosa Tafelweine für die Supermärkte erzeugt. Die Städtchen aber sind überwiegend sehenswert. Sie haben beeindruckende Sakralbauten. Selbst ein 360-Seelen-Nest wie Mucientes besitzt eine gewaltige spätgotische Kathedrale.

Viele alte Häuser sind mit aristokratischen Wappen geschmückt. Dort also herrschte der Adel. Das ist einige Jahrhunderte her. Danach verfiel Cigales in Bedeutungslosigkeit. Doch um das Jahr 1985 herum ging ein Ruck durch das Gebiet. Die Winzer wollten unbedingt für ihre Region den Qualitätsweintitel "Denominación de Origen (DO)" erringen.

Dafür legten sie sich ins Zeug, holten sich Berater, erneuerten ihre Rebgärten und opferten viel Geld, um ihre Keller zu modernisieren. Da blinkt es jetzt von Edelstahl. Die Rosados, eine Spezialität von Cigales, werden gekühlt vergoren und behalten so ihre ganze Frucht. 1991 endlich gelang der Aufstieg in die Wein-Oberliga.

Zu den Pionieren damals zählt die Familie Gonzáles Lara in Mucientes. Über einem alten unterirdischen Gewölbe, das Vater Deogracia Jahre zuvor mit eisern ersparten Peseten erworben hatte, entstand 1988 ein modernes Kellerhaus. Das ging nicht ohne Kredite. Da setzte sich Sohn Manuel durch. Manuel Gonzáles Lara, 37 Jahre alt, dunkelhaarig, mittelgroß und ziemlich kompakt gebaut, ist jetzt Chef der Bodega. Er gilt als einer der besten Önologen der Region. Sein Rat ist bei Kollegen gefragt.

Das Einzige, das dem umtriebigen Menschen nicht liegt, ist der Verkauf. Den Vertrieb der Weine überlässt er einer Agentur - und hat Zeit für seinen Zweitberuf: Im gutseigenen Restaurant "Los chopos" kocht er kastilische Spezialitäten. 2004 ist dem Winzer-Wirt ein hinreißend temperamentvoller Rosado gelungen, der von der Fülle her schon fast ein Rotwein sein könnte. Kräuter- und Fruchtaromen wirbeln über die Zunge. Liebstöckel und Bohnenkraut paaren sich keck mit Himbeere, Nektarine und roter Pampelmuse.

Die Frucht kommt von der Rioja-Sorte Tempranillo. Der rote Garnacho bringt etwas samtigen Gerbstoff. Der Beimischung von weißen Verdejo-Trauben, in Cigales erlaubt, ist die frische Säure zu verdanken.

Der Wein, gekühlt zu trinken, schreit nach Spanferkel, das nicht leicht zu beschaffen ist. Als Ersatz eine spanische Leckerei, für die Sie aber einen umkomplizierten Magen und gute Zähne brauchen.

Fragen Sie Ihren Metzger nach einer Schweineschwarte mit einem Zentimeter Speck. Die schneiden Sie in fingerdicke Streifen, die Sie bei 150 Grad eine halbe Stunde in einem Bräter grillen.

Das ausgetretene Fett ergibt ein leckeres Schmalz. Die knusprige Schwarte kracht im Mund. Dazu Salat von frischen grünen Bohnen mit roten Zwiebeln und Bohnenkraut. Und gutes Weißbrot.

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