Falkensteins Weinprobe
Lob von der Mutter

Die Kammerwein-Proben haben sich in 13 Jahren der IHK Koblenz zu einem bedeutsamen Ereignis entwickelt. Fachleute suchen dabei in mehreren Runden die besten Tropfen aus dem Geschäftsbereich der Kammer. Die Weine werden dann für Zwecke der IHK-Repräsentation eingesetzt.

Für die Verkostung an der Nahe hatten alle namhaften Winzer des Gebiets Musterflaschen geschickt. Als am Ende die Hüllen von den Flaschen fielen, war das Erstaunen groß. Die Star-Weingüter lagen zumeist im Mittelfeld. Die Spitze machten Betriebe aus Windesheim unter sich aus.

Windesheim? Kirchenmusiker in ganz Europa schätzen das Dorf wegen der klangfülligen Orgeln von dort. Als Weinort ist die 1 800-Seelen-Gemeinde hingegen wenig bekannt - zu Unrecht, wie die Probe in Bad Kreuznach zeigte.

Für die größte Überraschung sorgte Günter Schmidt aus Windesheim. Er belegte zwei erste Plätze für Weiß- und Grauburgunder trocken.

Der viel zu bescheidene, fast etwas linkisch auftretende Mann hatte als Winzer bislang nicht von sich reden gemacht. Im "Gault Millau Wein Guide" wird er nur unter ferner liefen erwähnt.

Als Mutter Gertrud von dem Erfolg hörte, tat sie öffentlich kund: "Das hat mein Sohn verdient!"

Dem 42-Jährigen wurden im Leben wenig Chancen zuteil. Als der Vater erkrankte, musste der Junge früh ins Geschirr. Für Studium und Praktika im Ausland war keine Zeit. Also machte Günter Schmidt die Lehre im elterlichen Betrieb. Später holte er die Meisterprüfung nach. Die Ehefrau starb jung an Herzversagen. Drei kleine Kinder blieben zurück, die Zeit einfordern. Nur einen Luxus leistet sich der Winzer: Alle zwei Jahre besucht er mit dem "Landwirtschaftlichen Casino", einer altehrwürdigen Einrichtung in Windesheim, fremde Weinlande. "Dabei habe ich immer viel gelernt", sagt er.

Er besitzt einen leidlich modernen Keller mit viel Edelstahl. Die neue Technik setzt er nur vorsichtig ein. Im Zweifel ist er "lieber etwas altmodisch".

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