Falkensteins Weinprobe
Mit dem Herzen trinken

Der Aglianico kam vor rund 2500 Jahren mit griechischen Kaufleuten nach Süditalien. Der Name dieser schwärzlichen Traube bedeutet "hellenisch". Dem daraus gekelterten Wein machte der Dichter Quintus Horatius Flaccus, kurz Horaz genannt, das schönste Kompliment: "Mit Verstand gekostet und mit dem Herzen getrunken, schenkt er dem Leben Trost und Vergnügen."

Horaz stammte aus dem Städtchen Venosa in der Provinz Basilicata. Der Ort liegt an den Ausläufern des Monte Vulture, eines erloschenen Vulkans. Auf seinen Böden, in 400 bis 600 Meter Höhe fühlt sich der Aglianico besonders wohl. Nirgendwo sonst zeigt der Wein ein solches Spiel zwischen Frucht- und Würzaromen wie dort.

Die Mitglieder der Cantina di Venosa wissen, was sie an dieser Sorte haben und pflegen sie mit Hingabe. Die Kellerei wurde 1957 in bitterster Not gegründet und war zunächst eine Genossenschaft, die staatliche Zuschüsse erhielt und trotzdem immer nur - süditalienisches Mysterium - so eben über die Runden kam.

2003 brachte die große Wende. In einer turbulenten Versammlung beschlossen die Winzer, die Kellerei als private Gesellschaft weiterzuführen. Von ihren Ersparnissen, teils auch auf Kredit, kauften sie Anteile und modernisierten den Betrieb. Neue Tanks und Fässer, neue Pressen, eine gute Abfüllmaschine hielten Einzug. Und: Der Keller wurde klimatisiert.

Geschäftsführer Antonio Teora, gerade mal 31 Jahre alt, brachte Schwung in den Betrieb. Ihm gelang es, Luigi Cantatore zu verpflichten, den wohl besten Önologen des Mezzogiorno. Der "Dottore", wie er ehrfürchtig genannt wird, berät noch weitere Kellereien und ist oberster Weinprüfer in Apulien. Doch wenn er sagt, sein Herz schlage in Venosa, dann klingt das glaubwürdig.

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