Falkensteins Weinprobe
Mit Musik und viel Geschmack

Beim diesjährigen österreichischen Weingipfel baten die besten Erzeuger aus dem Weinviertel zu einer Probe in den Röschitzer Winzerhof Stift. Eine treffliche Wahl: Das Anwesen zählt zu den schönsten Gütern weit und breit.

Jeder Betrieb durfte nur einen Wein vorzeigen. Doch nahm sich Hausherrin Regina Stift listig die Freiheit heraus, auf ein Tischchen abseits weitere Flaschen vom neuen Jahrgang zu stellen. Es war ein außerordentliches Vergnügen, davon zu kosten.

Stift? Nie gehört. In der einschlägigen Literatur wird das prächtige Gut nicht weiter erwähnt. Winzer Franz Stift, 39 Jahre alt, ein kraftvoller Blondschopf, erscheint anfänglich scheu, braucht eine Weile, bis er sich warm redet. Aber dann sprudelt es aus ihm heraus.

Schon 17-jährig hatte er den Hof übernommen. Die Mutter war früh verstorben, der Vater schwer krank. Die drei älteren Geschwister winkten ab; sie machten anderswo Karriere. Allein musste er mit Ackerbau, Vieh und Reben fertig werden. "Da wird man schnell erwachsen", erinnert er sich.

Er wollte immer Winzer werden, konnte sich "nix anderes vorstellen". Das Vieh schaffte er ab, erneuerte und erweiterte die Weingärten. Die Äcker behielt er "als Sparbuch" bei. In jeder freien Stunde schuftete er am Ausbau des Hofes. Nebenbei machte er in Krems seinen Meister. Für Ferien und Reisen war keine Zeit. Es gab höchstens Lehrfahrten ins benachbarte Ausland. In Frankreich war er noch nie.

In der sechs Jahre jüngeren Regina fand er die ideale Ehefrau. Die Winzertochter studierte nach dem Abitur Wein-Marketing. Sie kann genauso tüchtig anpacken wie ihr Gatte. Es ist ihrem guten Geschmack zu verdanken, dass der Hof so schön aussieht.

Die Stifts haben vier Kinder. Und in der Musik sind sie auch zu Hause. Sie spielt Orgel, er dirigiert die örtliche Blaskapelle. Wann schlafen solche Menschen eigentlich? "Um sechs Uhr sind wir alle auf und oft wird?s Mitternacht", lächelt er.

Alle Kraft geht in das Anwesen, in die Qualität der Weine. Erst jetzt wird ihnen klar, dass sie auch Zeit in die Vermarktung investieren müssten. Zumindest mit dem Jahrgang 2004 können sie sich mit den besten Gütern im Weinviertel messen. Grandios ist der Chardonnay geraten, kräftig, klar, mit saftiger Apfelfrucht, feinen Kräuternoten und reichen Mineralstoffen, dabei staubtrocken.

Das Mahl dazu ist arbeitsaufwendig, schmeckt aber klasse. Zuerst kleine, feste Auberginen der Länge nach halbieren und mit Öl beträufeln, dann für eine halbe Stunde in die Röhre geben. Nach Abkühlen das Fruchtfleisch herauslöffeln, würfeln, mit Zitrone, Salz, Pfeffer und gehackten Basilikumblättern vermengen.

Sodann Rübstiel in Brühe pochieren und zusammen mit einer zerquetschten Pellkartoffel im Mixer pürieren. Joghurt und Sahne zugeben und zu einer sämigen, grünen Soße verrühren. Zuletzt Rindertartar mit Ei, etwas Senf und einer klein gewiegten roten Zwiebel vermengen, daraus Hamburger formen und kurz auf beiden Seiten scharf anbraten.

Sauce auf den Teller geben, Klopse hineinlegen, Auberginen-Hack darüber löffeln. Besonders appetitlich sieht alles aus, wenn halbierte Kirschtomaten, kurz geschmort, dazugelegt werden.

Pit Falkenstein

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