Falkensteins Weinprobe
Ökologie im Sinn

Michel Sauvanet, Verwalter und Weinmacher auf Château du Bousquet, erinnert sich gern an 2002. Jenes Jahr brachte den entscheidenden Durchbruch in Sachen Qualität. Das "rendement raisonné" (vernünftige Ausbeute) wurde eingeführt, der naturnahe Anbau unter Verzicht auf die meisten der üblichen Spritzmittel.

Das bedeutete zwar erhebliche Mehrarbeit in den Rebgärten, auch einen Verlust an Menge, aber letztlich bessere Weine. Seine Chefs hatten zugestimmt.

Zu den dabei üblichen Maßnahmen gehört im Sommer das Entfernen der Blätter um die Trauben. So kann der Wind hindurchstreichen, das beugt gegen Fäulnis vor.

Dies erwies sich gerade 2002 als notwendig. Der Herbst war schwül, während der Lese begann es zu regnen. Es gab zwar Schäden in den Weinbergen, aber nicht Totalausfälle wie bei den Nachbarn. "Wir haben viel wegwerfen müssen, doch zuletzt brachten wir eine gute, wenn auch kleine Ernte ein", berichtet Sauvanet.

Château du Bousquet, ein mächtiges Herrenhaus aus weißem Kalkstein, ist über 400 Jahre alt. Es liegt am Rande des Städtchens Bourg nahe Bordeaux. Die Weingärten, die das Gut umgeben, galten schon zu alten Zeiten als hervorragend. 1960 kaufte Familie Castel, Eigner eines mächtigen Getränkekonzerns, das Anwesen und richtete es sorgfältig her.

In den Neunzigern erfasste eine Aufbruchstimmung die Gegend um Bourg. Die Winzer wollten nicht mehr als drittklassig angesehen werden und legten sich ins Zeug. Da machten die Castels wieder Gelder locker, um Keller und Rebgärten herzurichten.

Gleichzeitig stieß Michel Sauvanet hinzu. Der kleine, drahtige Mann besitzt reiche Erfahrungen als Kellermeister. Er lebt mit Frau und zwei Kindern auf dem Gut. In der Freizeit durchstreift der 55-Jährige gerne die Umgebung mit dem Fahrrad und geht fischen. Er hat sich eine Bibliothek in Sachen Ökologie zugelegt, was Rückschlüsse auf seine Gedankenwelt erlaubt.

Pierre Castel, der Seniorchef des Konzerns, kommt zweimal im Jahr vorbei. Er ist ebenfalls klein, unverwüstlich und schaut mit seinen knapp 80 Jahren noch überall nach dem Rechten. Und: "Er hat ein offenes Ohr für alles", sagt Sauvanet.

Der 2002er kommt jetzt allmählich in die Reife. Der Wein verströmt satte Cassis-Frucht. Die frische Säure, die feine Holznote, das weiche Tannin und erdige Töne im Abklingen harmonieren wundervoll. Das ist sicher kein Bordeaux-Hochgewächs, doch ein liebenswerter Alltagsverschönerer zu raisonablem Preis.

Das passende Rezept: Fenchel, Möhren und Schalotten, alles fein geschnitten, in reichlich Öl im Schmortopf anbraten und mit halb Rotwein, halb Wildfond ablöschen. In die kochende Masse kommen große Stücke aus der Keule vom Wildschwein. Alles sanft zwei Stunden schmoren lassen und mit Madagaskar-Pfeffer samt Lake würzen. Dazu kleine Kartoffeln mit Schale essen.

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