Falkensteins Weinprobe
Rau, aber herzlich

Pierons Rebgut Château de Bovila in Fargues war im Mittelalter ein Kloster. Heute wächst dort ein Wein, der so rau ist wie die Bewohner der Region: Der "Prieuré" ist nicht leicht zu trinken. Doch er kann süchtig machen.
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Olivier Pieron ist stolz auf seinen mächtigen Körper. Er tritt gern derb auf, spricht Patois, den harten Dialekt des französischen Südwestens. Und er liebt Rugby. "Hier in Cahors gehört dieser Sport zu den größten Vergnügungen. Natürlich prügeln wir uns dabei, aber es geht doch immer kameradschaftlich zu," versichert der 47-Jährige. "Und hinterher sitzen wir fröhlich zusammen."

Genauso seien die Weine von Cahors, anfänglich rau, doch am Ende überreich gefüllt mit dunkelfruchtiger Glut. Es stimmt: Diese gerbstoffreichen Gewächse sind nicht leicht zu trinken. Sie brauchen ihre Zeit, können aber nach einiger Gewöhnung süchtig machen. Im 18. Jahrhundert wurde der "schwarze Wein" von Cahors an Königshöfen getrunken.

Pierons Rebgut Château de Bovila in Fargues war im Mittelalter ein Kloster. 1971 erwarb Lucien E. Reutenauer, ein wohlhabender Advokat, das Anwesen und wurde auf seine späten Tage Winzer. Er hat viel dazu beigetragen, den vergessenen Weinen von Cahors, die einst Weltgeltung besaßen, wieder zu neuem Ansehen zu verhelfen.

Seinen Nachfolger suchte er sich sorgfältig aus. Die Wahl fiel endlich auf seinen Nachbarn Michel Pieron, einen erfahrenen Winzer. Der führte den Betrieb ebenso engagiert weiter. Nun verwaltet Sohn Olivier das Erbe Reutenauers mit Hingabe. Die Weingärten werden biologisch gepflegt, im Keller arbeitet er bewusst altmodisch.

Die besten Parzellen nennt er "Prieuré", eingedenk der Nonnen, die einst dort wirkten. Aus diesen Gärten stammt der erst spät gefüllte 2003er, der jetzt noch viel zu jung ist.

Der Wein sollte einige Stunden vor Genuss in einer Karaffe umgefüllt werden. Anfänglich erinnert er an frisch gemähtes Gras und schmeckt betont herb nach Schlehen. Doch mit der Zeit öffnet sich der eigenwillige Tropfen. Der letzte Schluck ist ein Feuerwerk fruchtiger Aromen - mit Cassis, Schattenmorellen, Bergamotte. Er klingt erst nach Minuten aus.

Ein solcher Wein hilft nachweislich, den Blutdruck zu senken und Cholesterin abzubauen. Roger Corder, Professor für experimentelle Heilungsverfahren am William-Harvey-Institute in London, beschreibt dies in seinem Buch "The Red Wine Diet", Frucht seiner jahrelangen Forschungen. Corder lobt die heilsame Wirkung von oligomeren Procyanidinen, besondere Polyphenole, von denen ein Cahors-Wein viermal mehr enthält als andere Rote.

Deshalb passt der Wein zu so handfesten Gerichten wie das Cassoulet: In einen großen Topf eine Schweineschwarte legen, darauf über Nacht eingeweichte weiße Bohnen, Möhrenstücke, gehackte Zwiebeln und Knoblauch geben, Brühe angießen und alles langsam köcheln. Derweil Stücke von Schwein und Lamm braten, zusammen mit klein geschnittener Lammwurst (Merguez) zu den Bohnen geben, salzen und pfeffern.

Prieuré de Bovila

JAHRGANG 2003

REBSORTEN Malbec, Tannat

ANBAUGEBIET Cahors - Frankreich

ANALYSE 13,2ll Alkohol, 5,3 g Säure, 1,5 g Restzucker (pro Liter)

TRINKEN BIS 2010

PREIS AB HÄNDLER 9,80 Euro

ADRESSE Boda-Weinhaus In der Beek 33, 42113 Wuppertal Tel. 023 24 / 97 13 77, Fax - 97 13 79

info@boda-weinhaus.de
www.boda-weinhaus.de

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