Falkensteins Weinprobe
Schmeckbarer Gewinn

Die Zeiten, in denen Obermosel-Winzer beim Schneiden im Frühjahr ihren Reben je fünf Fruchtruten beließen und im Herbst spielend 300 bis 400 Fuder Elbling vom Hektar ernteten, sind gottlob Vergangenheit. Solche Massen, als "Wasser mit Geschmack" verspottet, waren zuletzt nicht mehr verkäuflich.

Längst gibt es bei den Erträgen gesetzliche Grenzen. Allerdings sind die Höchstmengen immer noch arg großzügig festgelegt. 150 Fuder dürfen es sein, also 15 000 Liter. Und selbst damit kommen manche Winzer nicht aus. Erschrocken stellen sie bei der Lese fest, dass sie weit übers Ziel hinaus sind. Sie müssen die Trauben in der einen oder anderen Parzelle verfaulen lassen.

Damit schaden sie sich nur selbst: Sie überlasten ihre Reben, die dadurch früher altern, und ernten am Ende eine dünne, saure Brühe, die sie mit unnötig viel Zucker anreichern müssen.

Derweil verfallen die Preise weiter. Und der ohnehin magere Ruf des Elbling - zu dessen prominentesten Freunden Altbundespräsident Walter Scheel zählt - leidet. "Das alles ließe sich vermeiden, wenn die Kollegen im Sommer ihre Hausaufgaben machten", sagt Bernd Frieden. Seine Stimme klingt nicht besserwisserisch oder gar schadenfroh. Vielmehr schwingen Bedauern und Traurigkeit darüber mit, dass der Elbling, die Spezialität der Obermosel, so misshandelt wird. Frieden, Eigner eines stattlichen Weingutes in Nittel, erntet kaum mehr als die Hälfte dessen, was erlaubt wäre. Aber so können sich seine Weine schmecken lassen.

Der 45-Jährige, schlank, mittelgroß, das dunkle Haar kurz geschnitten, ist ein besonnener, erzfleißiger Mann. Im Sommer geht er zur "Grünen Ernte" hinaus, dünnt also aus. Im Frühherbst durchstreift er bis zu dreimal die Rebgärten, um angefaulte oder unreife Trauben herauszuschneiden - mögen ihn auch manche Kollegen deshalb für verrückt erklären. Jedenfalls bringt Frieden in den Keller völlig gesundes Lesegut, das er schonend presst. So vermeidet der Winzer den rauen Gerbstoffgeschmack, der für den Elbling alter Schule typisch war.

Vater Adolf, 75 Jahre alt und nach wie vor voll im Einsatz, lieferte noch bei der Genossenschaft ab. Nachdem er 1991 den Betrieb übergeben hatte, musste er wohl schlucken, als er sah, wie beherzt sein Sohn Bernd den Behang der Reben ausdünnte. Doch dann wuchs sein Stolz darüber, dass die Weine von Jahr zu Jahr deutlich besser wurden. Letztlich war?s nicht nur ein önologischer, sondern auch ein ökonomischer Gewinn. Denn trotz geringerer Menge nahm der Betrieb mehr ein. Der Hof wurde verschönert. Ein schmuckes Gästehaus kam hinzu.

Bernd Friedens Elbling erinnert, wie es sein soll, an einen guten Boskop-Apfel. Der Muschelkalk, auf dem die Reben stehen, schmeckt durch. Hinzu kommt eine ungeahnte Eleganz, die an Riesling erinnert.

Einige der Aromen finden sich in folgendem Gericht wieder: Zuerst Schweinemett, Ei, eine zerbröselte Scheibe Toast, Salz, Pfeffer, Petersilie vermengen und Klößchen formen. Zwei Esslöffel Butter und einen Teelöffel Mehl in einem Topf bei mäßiger Hitze verrühren, Gemüsebrühe oder Bouillon zugießen, aufkochen lassen und die Klößchen darin garen. Kapern (vorher heiß abbrausen) und ganz zuletzt einen gestiftelten sauren Apfel zufügen. Mit Reis servieren.

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