Falkensteins Weinprobe
Schmuckstück aus Ruinen

Für Rainer Flick war der Weinberg oberhalb seines Gutes viele Jahre lang ein Ärgernis. Das gute Stück wurde von dessen Besitzer arg vernachlässigt. Dabei zählt der Nonnberg in Wicker seit alters zu den besten Rheingauer Lagen. Schon vor über 700 Jahren urkundlich erwähnt, gehörte er lange Zeit dem Mainzer Domkapitel und später den Herzögen von Nassau.

Vor zwei Jahren endlich gelang es Flick, den wertvollen Weingarten zu erwerben. Über den Kaufpreis schweigt er, verrät nur so viel: "Es war ein Muss für uns."

Endlich wurden die Reben ordentlich geschnitten, die Böden belüftet. Er entfernte im Sommer überschüssige Trauben, auch Blätter da und dort, damit der Wind hindurchstreichen konnte. So gab es trotz Regen im September keine Fäulnis. Die Ernte stellte den Winzer rundum zufrieden.

Rainer Flick, sportlich gebaut, das dichte, dunkle Haar mit ersten Silberfäden durchzogen, hat mit seinen 40 Jahren viel erreicht. Als Junge lebte er auf dem elterlichen Hof mit Hühnern, Schweinen, Äckern und ein paar Reben.

Nun besitzt er ein achtbares Weingut.

Neben der Familie und den Reben gilt seine Liebe alten Gemäuern. Die Nachbarn schüttelten die Köpfe, als er die historische Straßenmühle in Wicker kaufte. Das verwilderte Anwesen hatte zuvor als Übungsplatz für Polizeihunde gedient. Dazu erstand er eine verlassene Sektkellerei. "Bei uns wurden schon römische Rebmesser gefunden. Da kann ich es nicht zulassen, dass ein altes Gewölbe vor die Hunde geht", sagt er. Aus alldem entstand ein schmuckes Hofgut.

Wenn Flick zum höchsten Punkt des Ortes hinauffährt, zur Flörsheimer Warte, sieht er die Hochhäuser der Frankfurter Großbanken. "Wicker ist der unbekannteste Weinort im Rheingau. Hier muss man sich schon ein bisschen mehr anstrengen", sagt er lachend. Und dann zeigen sich doch ein paar Falten in seinem jungenhaften Gesicht.

Vor zehn Jahren noch ein Niemand, gehört er heute zu den 20 besten Erzeugern der Region. Sein erster Nonnberg-Riesling duftet nach frischen Kräutern und schmeckt ausladend nach Pfirsich. Die knackige Säure ist harmonisch eingebunden. Der Wein klingt lange am Gaumen nach. Zuletzt ist ein Hauch Erde zu spüren.

Dazu schmeckt "Edelsäcker", ein hessisches Gericht. Bitten Sie Ihren Metzger, dass er in dicke Schweinekoteletts Taschen schneidet. Die füllen Sie mit grob gehacktem Wirsing und kleinen Speckwürfeln und nähen sie dann zu.

Bestreichen Sie das Fleisch mit Senf, und braten Sie es in Schmalz kräftig an. Danach Hitze klein stellen, den Bratenfond mit trockenem Weißwein ablöschen und alles sanft garen lassen. Die Sauce wird mit etwas Maisstärke angedickt. Dazu Kartoffeln.

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