Falkensteins Weinprobe
Schuften für den Aufstieg Ost

Georg Prinz zur Lippe darf stolz sein. Er hat 16 Jahre lang geschuftet, oft an den Grenzen des Machbaren. Das Glück war am Ende auf seiner Seite: Nun ist Schloss Proschwitz in Meißen als erster Betrieb in die Liga der 100 besten deutschen Weingüter aufgerückt.

Der Vater war einstens Fabrikant in Sachsen. Nach dem Krieg wurden er und die Seinen enteignet, ins Zuchthaus gesteckt und schließlich vertrieben. Der Besitz ging an den Staat und verfiel.

Unmittelbar nach der Wende beschloss der Familienrat, dass Georg, der jüngste Spross, in die ehemalige Heimat gehen sollte. Dort sollte er versuchen, das alte Eigentum in Meißen zurückzukaufen.

Der Prinz arbeitete damals bei Roland Berger und beriet Agrar-Unternehmen. Ihm war schnell klar, dass von dem einstigen Besitz nur das Schloss und das Weingut zu retten waren. Die Rebberge gehörten der LPG Wilhelm Pieck. Und im Schloss Proschwitz war ein Heim für geistig behinderte Kinder untergebracht.

Als Georg Prinz zur Lippe 1990 an der Elbe eintraf, schlug ihm Hass entgegen. Mehrfach wurden die Reifen seines Autos zerstochen. Doch er ließ sich nicht entmutigen, kaufte Weinberge und heuerte Arbeiter an. Die ersten Ernten ließ er zunächst bei Verwandten im fränkischen Castell keltern.

Heute ist das Weingut in einem alten Herrenhaus in Zadel gegenüber von Meißen untergebracht, das von Grund auf renoviert wurde. Im Keller blinkt modernste Technik.

Das völlig marode Schloss Proschwitz nahebei, gelegen in einem anmutigen Park, erstrahlt nun wie in seinen früheren Prunkzeiten. Konzerte und Bankette helfen, die Restaurierung des Gemäuers zu finanzieren. Sogar die Weltbank tagte schon dort.

Rund sieben Millionen Euro hat der Wiederaufbau gekostet. Der Prinz, 49 Jahre alt, blond und von kerniger Statur, muss seinem Beruf weiter nachgehen. Das Gehalt wird dringend gebraucht. Fast wöchentlich steht er seinem Bankier Rede und Antwort.

Wer schon zu viel 2005er probiert hat und den vielen Alkohol nicht mehr ertragen kann, sollte sich dann von der Proschwitzer Scheurebe einschenken. Der Wein ist leicht, duftet nach Gartenkräutern und vergnügt mit einer höchst pikanten Säure, die an Stachelbeeren, gelbe Pflaumen und Kiwis erinnert.

Dazu schmecken Häppchen: Bestreichen Sie einfach kleine Ziegenkäse mit Honig, legen Sie den Käse auf Ciabatta-Scheiben, gießen Sie etwas Olivenöl darüber und überbacken Sie alles.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%