FALKENSTEINS WEINPROBE
Sonnenglut in der Flasche

"Hier ist alles schön", spöttelt Ivan Gentet. Das könne er an den Namen der benachbarten Weingüter ablesen: Bel-Air, Beaubois, Bellefontaine. Eigentlich sollte er seinem Betrieb auch ein "Beau" voranstellen.

Nun ja. Schön sieht die Domaine de Calet derzeit nicht aus. Das alte Anwesen nahe dem Dörfchen Beauvoisin (!) ist eine einzige Baustelle. In zwei Jahren aber soll alles wohl gestaltet sein. Denn: "Sonst habe ich keine Frau mehr." Der 56-Jährige, ein von harter Arbeit gestählter Mann mit angegrautem Wuschelhaar, setzt bei diesem Satz ein umwerfend jungenhaftes Lächeln auf.

Seit er das Hofgut 1999 erworben hat, schuftet er unermüdlich. Zudem hat er sich in der kurzen Zeit den Ruf erworben, einer der besten Weinmacher in den Costières de Nîmes zu sein. Ein glücklicher Zufall schickte ihm David Morrisson, einen australischen Önologen. Der studierte die Böden, rötlichen Lehm mit dicken Kieseln durchsetzt, sah den reichen Bestand an alten Syrah-Reben und wusste: "Das ist genau so gut wie in Châteauneuf-du-Pape."

Ivan Gentet ist von Haus aus Techniker. Als junger Bursche wollte er - typisch südfranzösischer Traum - zum Polarkreis marschieren. In Schweden hielt ihn die zarte, blonde Anna-Lena auf. Er heiratete die junge Lehrerin, arbeitete bei Schiffsausrüstern, auf Ölplattformen. Häufig fuhr das Paar nach Nîmes, in seine Heimatstadt. Vor fünf Jahren eröffnete Anna-Lena dem Gatten, dass sie in Südfrankreich leben möchte. Er scherzte: "Gut, dann baue ich Wein an." Aus dem Spaß machte er Ernst.

Die Domaine de Calet war eigentlich einige Nummern zu groß für sie. Doch boten sich Freunde als Teilhaber an. Mitmachen durfte nur, wer bei Erzeugung und Vermarktung des Weins tatsächlich hilft.

Wenn in zwei Jahren der Bau beendet sein wird, will sich Ivan Gentet noch einen Traum gönnen: ein Pferd, mit dem er morgens zum Bäcker reiten wird, um Croissants zu holen.

Die Cuvée "Long Term", benannt nach der Gemarkung, auf der die Domaine steht, ist auf Flaschen gefüllte Sonnenglut. In den Duft von Pfeffer und Rosmarin mischt sich ein Hauch von Leder und Wildfleisch, wie bei einem Châteauneuf-du-Pape auch. Auf der Zunge rollt eine mächtige Woge von Pflaumen- und Kirschfrucht an. Eine Anmutung von Erde ist dabei.

Dazu gehört ein Wildrollbraten. Aus der Rehschulter eine große Scheibe schneiden lassen und zwischen Klarsichtfolie platt klopfen. Für die Füllung Kürbiskerne, durchwachsenen Speck, Zwiebeln und Rosmarin hacken, kurz rösten und mit aufgeweichten Brötchen vermengen. Die fertige Roulade wird angebraten und im Ofen gegart. Mit Grießnocken servieren.

Syrah aus Nîmes

Wein 2001 Domaine de Calet "Long Term"

Rebsorten Syrah und etwas Grenache

Anbaugebiet Costières de Nîmes

Analyse 14,3ll Alko- hol, 3,5 g Säure, 0,7 g Restzucker (pro Liter)

Mindestens haltbar bis Ende 2005

Preis 6,50 Euro

Adresse Boda Weinhaus, Am Obereichholz 1 45527 Hattingen, Tel. 02324/ 971377, Fax-971379. E-Mail bodaweinhaus @t-online. de

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