Falkensteins Weinprobe
Stoff für gute Reden

Klaus Kinkel schrieb an das "Weekend Journal". In seinem Brief empfiehlt der frühere Bundesaußenminister: "Kosten Sie doch mal den Lemberger (in all seinen Variationen) der Weingärtner Brackenheim. Ich finde, dass es sich lohnt." Der Ur-Schwabe Kinkel empfiehlt damit einen Tropfen aus dem Heimatdorf von Theodor Heuss.

Als Liberaler fühlt sich Kinkel dem Mitbegründer der FDP sicher posthum verbunden. Und der erste Bundespräsident wusste jedenfalls Lemberger zu schätzen. Für die Vorbereitung einer Rede brauche er "immer gerade eine Flasche lang", hat er einmal gewitzelt.

Thilo Heuft-Röser, Geschäftsführer der Brackenheimer Genossenschaft, schickte Proben. Die Wahl fiel auf einen scheinbar einfachen Wein aus ökologischem Anbau.

Weingärtner-Genossenschaften werden oft als gemütsarme Organismen angesehen, bei denen der Winzer brav seine Trauben abliefert, die Auszahlung kassiert und ein Bier trinken geht. Wie der Wein geraten ist, zu dem er beigetragen hat, will er gar nicht wissen. Im Falle des Brackenheimer Bio-Lembergers trifft das keinesfalls zu. Die Trauben, sauber aussortiert und gesund, kamen von zwei befreundeten Winzern. Der eine, Jürgen Winkler, 43 Jahre alt, übernahm 1993 nach dem Agrarstudium die Weinberge der Eltern und stellte sie nach und nach auf ökologischen Anbau um. Mit seiner Natur-Begeisterung steckte er den damals 22-jährigen Kollegen Reiner Döbler an, einen frischgebackenen Weinbautechniker.

Längst gehören die beiden der Ecovin-Vereinigung an. Was mit ihren Trauben geschieht, wissen sie genau. Vor der Ernte besprechen sie sich mit Kellermeister Friedrich Hammel. Der erfahrene Mann, seit drei Jahrzehnten bei der Genossenschaft, ließ von dem Lemberger einen kleinen Teil im Barrique, den Rest im Stahltank reifen.

Der Wein aus dem schwierigen Jahr 2006 ist ein urwüchsiger Schluck. Ein herzhafter Duft von Wild, Leder und Holz steigt aus dem Glas auf. Knackig-fruchtig spielt Säure zwischen Kirsche und Pflaume. Erdige Aromen mischen sich drein, Würznoten von Bohnenkraut und schwarzem Pfeffer. "Böckinger Feldg?schrei" - ein schwäbisches Leibgericht - passt gut: ein Pfund Suppenfleisch zusammen mit Markknochen, einer halben angerösteten Zwiebel, Möhren, Sellerie und Lauch zwei Stunden lang sieden lassen. Alles durchsieben, in der Brühe kleine Stücke von Kartoffeln kochen. Das Fleisch würfeln und mit dem Gemüse dazugeben. Aus Mehl, Wasser und dem ausgelösten Mark einen geschmeidigen Teig rühren und von einem Holzbrett mit dem Messerrücken Spätzle schaben. Die gehören auch dazu.

Öko-Lemberger

  • Jahrgang:

    2006
  • Rebsorte:

    Lemberger
  • Anbaugebiet:

    Württemberg
  • Analyse:

    12,7° Alkohol, 5,1 g Restzucker, 4,4 g Säure (pro l)
  • Trinken bis:

    Sommer 2009
  • Preis ab Keller:

    6,70 Euro
  • Adresse:

    Weingärtner Brackenheim, Neipperger Straße 60, 74336 Brackenheim, Tel. 071 35/985 50; Fax - 98 55 55; info@wg-brackenheim.de; » www.wg-brackenheim.de
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