Falkensteins Weinprobe
Süße Düfte, reife Frucht

Dem Winzer aus dem südpfälzischen Ilbesheim scheint keine Arbeit zu viel. "Das macht Spaß", pflegt Willi Erlenwein zu sagen.

Und steht da - klein und stämmig, bewehrt mit einem wilden Schnäuzer, ein Kraftpaket. Auf Fotos blickt der 51-Jährige meist grimmig drein. In Wirklichkeit hat er eine fröhliche Stimme und steckt voll unbändiger Lust am Leben wie am Schaffen.

Erlenwein hatte früh berufliches Glück. Ein fränkischer Baron suchte einen Verwalter für den Wacholderhof in Ilbesheim, und die Wahl fiel auf den jungen Winzer. Dann wurde dem Edelmann das große Anwesen zu viel. 1980 pachtete Erlenwein kurz entschlossen das Gut.

Damals zahlten die Kellereien noch gutes Geld für Wein im Fass. Es folgten zwei Rekordernten hintereinander, die Preise purzelten. Da tat der Winzer zwei vernünftige Dinge. Er begann, selbst Wein auf Flaschen zu füllen. Und um Kunden anzulocken, baute er die Arbeiterwohnungen im Wacholderhof zu Ferienquartieren um. Bei bescheidener Lebensweise blieb so viel Geld übrig, dass er 1999 den Hof kaufen konnte. Der Stolz darauf ist ihm heute noch anzusehen.

Damals war Erlenwein Beigeordneter in der benachbarten Gemeinde Leinsweiler. Im Gemeinderat wurde über ein von der Landesregierung gefördertes Projekt gestritten: Das Kirchholz, ein früher berühmter, doch verwilderter Weinberg sollte teils wieder erstehen. Der Rest war als Biotop für seltene Vögel vorgesehen.

Niemand wollte anbeißen. Erlenwein: "Dann mach ich?s halt." Sollten ihn die Nachbarn doch für verrückt halten. Er hieb Gestrüpp aus, baute verfallene Trockenmauern wieder auf und setzte Reben. In diesem Jahr wird es den ersten Rotwein vom Kirchholz geben.

Das war aber nur möglich, weil Sohn Timo nach vier Jahren als Energieelektroniker bei der BASF feststellte, dass es "daheim doch am schönsten ist". Er machte eine Winzerlehre bei besten Adressen der Südpfalz und will jetzt Weinbautechnik studieren. Dem Vater ist er längst eine große Hilfe. "Das macht Spaß", sagt auch der Junior.

Den beiden gelang voriges Jahr ein bezaubernder Riesling. Feine, süße Kräuterdüfte, die an Melisse, Kamille, auch an Heu erinnern, steigen aus dem Glas auf. Der weiche, cremige Geschmack von Pfirsich wird von erdigen Aromen umspielt und bleibt lange am Gaumen haften.

Der völlig trockene Kabinett-Wein (eigentlich eine satte Spätlese) verdient ein Sonntagsmahl: Kalbskotelette mit einem Ragout von frischen, festen Champignons, geschmort in Sahne. Dazu Bratkartoffeln - und den Riesling.

Aus der Südpfalz
Wein 2003er Leinsweiler Kabinett trocken
Rebsorte Riesling
Anbaugebiet Pfalz
Analyse 13,1° Alkohol, 5,5 g Säure, 3,2 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2005
Preis 3,80 Euro
Adresse Wacholderhof, 76829 Ilbesheim, Tel. 06345/919370, Fax-919371

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