Falkensteins Weinprobe
Traum erfüllt

Welch ein Name: José Vicente Domeco de Jarauta Ruiz. Dieser Mann - untersetzt, wallendes Grauhaar, buschige Brauen und stechender Blick - sieht genau so aus, wie alle Welt sich einen Spanier vorstellt. Vor zwölf Jahren machte er sich mit einem provisorischen Keller selbstständig und produzierte mit einfachsten Mitteln großartige Weine.

Stolz erzählt der Señor von einem gewissen Marro, einem Vorfahren, der bei der Eroberung Südamerikas Truppen befehligte. So heißt jetzt auch die gleißend moderne Bodega in Aldeanueva de Ebro, die der 56-Jährige aus dem Boden gestampft hat. 3,6 Millionen Euro investierte er, um sich diesen Traum zu verwirklichen.

Die Familie besaß seit Generationen Rebgärten in der Rioja Baja. In den 50er-Jahren versuchten es die Eltern erfolglos mit einer eigenen Bodega. So schloss sich der Vater der örtlichen Genossenschaft an.

Als José Vicente Domeco herangewachsen war, übernahm er die Anteile. Er war besessen von der Idee, ein Weingut zu gründen. Vor zwölf Jahren machte er sich mit einem provisorischen Keller selbstständig und produzierte mit einfachsten Mitteln großartige Weine. Vor zwei Jahren wurde die Bodega Viña Marro fertig.

Sein gleichnamiger Sohn, genauso kräftig gebaut wie der Señor, studierte Önologie. Der 26-Jährige hat den Keller unter sich. Anders als der Vater - ein genialer Amateur - geht der Sohn wissenschaftlich vor. Erstaunlich: Es kommt selten zum Streit. Auch unterschiedliche Neigungen stören nicht. Der Alte liebt klassische Musik, der Junge ist Schlagzeuger in einer Techno-Band.

Beim Jahrgang 2002 arbeiteten sie schon zusammen. Der tiefdunkle Wein, jetzt fast auf dem Höhepunkt, erzeugt ein wahres Feuerwerk auf der Zunge. Er duftet und schmeckt mächtig nach Schattenmorellen. Minze und Pfefferkraut sind zu ahnen. Eine Andeutung von Vanille, ein Hauch Madeira lassen die Reife erkennen. Die frische Säure aber lässt den großartigen Tropfen jung erscheinen.

Der Wein verträgt ein herzhaftes Gericht: Dicke Stücke vom Ochsenschwanz scharf anbraten, mit je zwei Tassen Bouillon und Rotwein ablöschen, etwas gekörnten Senf unterrühren, Stücke von Möhren und Petersilienwurzel mit einem Zweig Rosmarin und zwei Peperoncini zugeben. Alles bei kleiner Hitze zugedeckt drei Stunden lang garen.

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