Falkensteins Weinprobe
Ungewohnter Trinkgenuss

Wenn ein Winzer oder ein Weingut einen Doppelnamen trägt, dann ist dies in der Regel die Folge einer Zusammenführung zweier Betriebe durch Heirat. Bei Vater Karl und Sohn Johannes Geil-Bierschenk liegt der Fall anders.

Die Eltern von Opa Arthur Bierschenk starben, als dieser noch ein Kind war. Der Waisenjunge wurde von der damals hochangesehenen Familie des Ökonomierates Johannes Geil im rheinhessischen Bechtheim aufgenommen und später von den kinderlosen Zieheltern adoptiert. Karl war 18 Jahre alt, als er seinen neuen Namen erhielt. "Es erschien mir sehr verwirrend", erinnert er sich. Alles lief darauf hinaus, dass er einmal das Gut erben sollte. Also lernte er Weinbautechnik und schuftete unermüdlich, um den großen Betrieb zu erhalten. Der viel zu bescheidene Mann denkt heute noch manchmal, dies alles gehöre ihm eigentlich gar nicht.

Sohn Johannes, diplomierter Weinbauingenieur, schafft seit vier Jahren voll mit. Für den Vater hat er nur freundliche Worte: "So fleißig, wie der ist, hat er sich den Besitz zweimal verdient." Die beiden sind sich verblüffend ähnlich. Gemeinsam ist ihnen die hoch gewachsene, schlanke Figur und die ruhige, überlegte Art. Sie arbeiten gut zusammen, wenn auch der Junior witzelt: "Er führt das Gut, und ich bin im Keller. Und wir reden einander kräftig drein." Was offenkundig produktiv ist. Seit drei Jahren sind die Weine sprunghaft besser geworden. Der "Gault Millau Wein Guide" nennt den Betrieb "Aufsteiger des Jahres".

Von den bereits abgefüllten Weinen macht derzeit die Riesling-Spätlese von der guten Lage Geyersberg am meisten Spaß, auch wenn der Trinkgenuss ungewohnt, ja untypisch anmutet. 2003 ist nun einmal ein Ausnahmejahrgang. Der üppige, weiche Tropfen ist nicht ganz durchgegoren, was in Ordnung geht. Sonst wäre er zu alkohollastig. Der Duft von Lindenblüten und Minze berauscht geradezu. Zart mischen sich Aromen von Birne und Aprikosen.

Für einen solch mächtigen Schluck braucht es eine kräftige Speise mit einem Hauch Süße: Zuerst ein Püree aus zwei Teilen Kartoffeln und einem Teil Knollensellerie stampfen, mit jungem Knoblauch, Petersilie - beides fein gehackt - und abgeriebener Zitronenschale würzen; sodann Kalbsleber mit Zwiebeln in Butter kurz anbraten und auf einem heißen Teller ausruhen lassen; in die Pfanne etwas Gemüsebrühe und Riesling gießen, klein geschnittene Birnen darin garen, Sahne zugeben und zusammen mit der Leber, die erst dann gesalzen wird, alles kurz aufkochen lassen.

Heißer Jahrgang

Wein 2003 Bechtheimer Spätlese feinherb

Rebsorte Riesling

Anbaugebiet Rheinhessen

Analyse 12,8° Alkohol, 5,8 g Säure, 11,5 g Restzucker (pro Liter)

Mindestens haltbar bis Ende 2005

Preis 6,70 Euro

Adresse Ökonomierat Geil Erben, Kuhpfortengasse 11, 67595 Bechtheim, Tel. 06242/1546, Fax-6935,

E-Mail

info@weingut-geil.de

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