Falkensteins Weinprobe
Verhinderter Pilot

Als junger Bursche wollte Alexander Freimuth Pilot bei der Lufthansa werden. "Das wäre heute noch mein Traumberuf", gesteht er. Wenn er sich damals seine Zukunft ausmalte, dann konnte er sich "alles vorstellen, bloß nicht Weinbau". Doch es kam anders.

Alexander Freimuth sah, wie die Eltern in die Jahre kamen, wie ihr Gut zu verwaisen drohte. Vater Josef hatte, nachdem der alte Familiensitz in Geisenheim abgebrannt war, mit viel Liebe, Mühen und Geld einen neuen Hof im Nachbardorf Marienthal aufgebaut.

Also studierte Sohn Alexander Weinbau an der Fachhochschule in Geisenheim und lernte dort auch Ehefrau Karin kennen. (Die berühmte Lehranstalt vermittelt sicherlich Wissen, ist aber auch ein Institut zur Anbahnung von Ehen.) So wird das Weingut Freimuth - welcher Luxus! - seit 1984 von zwei diplomierten Weinbauingenieuren geleitet. Die Gemahlin kümmert sich um Reben, Verwaltung und Verkauf. Er hat den Keller unter sich. "Das kann ich noch am besten", sagt er. "Und das macht mir auch am meisten Spaß." Wer den 46-Jährigen, einen schmächtigen und doch kraftvollen Mann, so reden hört, könnte meinen, der Winzer hinge gar nicht so an seinem Beruf. Sicher, wenn ein Freund, der Flugkapitän ist, ihn besucht, dann "kommen alte Jugendträume wieder hoch". Doch Freimuth versichert: "Wenn man in einer bestimmten Liga mitspielen möchte, und das will ich, dann muss man 100 Prozent geben." Für den Rudersport, den er als Student eifrig betrieb, hat er deshalb "höchstens noch ein Viertelprozentchen" Zeit.

Dieses und nächstes Wochenende ist die Freimuth?sche Straußwirtschaft letztmalig für 2007 geöffnet. Ein Besuch lohnt sich. Es gibt im mediterran gestalteten Umfeld zum herzhaften Schoppen deftige Hausmannskost und - wenn das Wetter mitspielt - einen erhebenden Ausblick auf den Rheingau.

Es ist eine Erholung, nach all den fetten, von Edelfäule überladenen 2006er-Weinen mal wieder etwas Knackiges zu trinken. Freimuths Riesling von 37 Jahre alten Reben ist zwar auch nicht eben ein Leichtgewicht. Doch schmeckt er wundervoll frisch nach gelbem Pfirsich. Kräftige mineralische Aromen von Löss-Lehm, Schiefer und Quarzit verleihen dem gelungenen Tropfen aus schwierigem Jahr eine betont würzige Note.

Dazu passt Dreierlei aus dem Meer: Zuerst Wildreis kochen und aus Milch, magerem Joghurt, Frischkäse, Sahne, einem Spritzer Zitrone, Salz und getrocknetem Estragon eine cremige Sauce rühren. Dann geht alles sehr schnell. Zuerst in Ringe geschnittene Tuben vom Kalamar in heißem Öl drei Minuten braten, dann Thunfischwürfel mit drei Zentimeter Kantenlänge für eine Minute dazugeben und wenden. Sie müssen innen noch rot sein. Den Herd ausschalten und zuletzt vorgekochte Garnelen aufwärmen. Reichlich glatte Petersilie und Knoblauch fein hacken und dazugeben.

Alte Reben

  • Jahrgang:

    2006
  • Rebsorte:

    Riesling
  • Anbaugebiet:

    Rheingau
  • Analyse:

    13,2° Alkohol, 7,4 g Säure, 8,5 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis:

    Sommer 2010
  • Preis ab Keller:

    6,50 Euro
  • Adresse:

    Weingut Alexander Freimuth, Am Rosengärtchen 25, 65366 Geisenheim; Tel. 06722/98 10 70, Fax - 98 10 71, info@weingut-alexander-freimuth.de; » www.weingut-alexander-freimuth.de
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