Falkensteins Weinprobe
Verliebt in Martinelle

Erst über Umwege kam Corinna Kurse zum Weinanbau. Bei einem Ausflug in der Provence entdeckte sie ihren Traum-Weingarten und kaufte ihn. Nach den ersten etwas unglücklichen Jahren bescherte ihr der Herbst 2005 einen saftigen, brillanten Wein.

Wie wird eine junge Frau aus Wuppertal Winzerin in Südfrankreich? Auf gewundenen Wegen: Corinna Kruse, Tochter eines Textilunternehmers, ging zur Hotelfachschule in Lausanne. Nach ihrem Abschluss suchte sie in London vergeblich nach einer geeigneten Stelle. So gab sie dem Interesse am Wein nach und arbeitete drei Jahre bei Dr. Bürklin-Wolf in der Pfalz und Prinz zu Salm an der Nahe im Verkauf.

Danach studierte sie Weinbau in der Provence. Bei einem Ausflug fand sie am 1 900 Meter hohen Mont Ventoux, der sich über der Rhône-Ebene erhebt, einen alten Weingarten mit dem hübschen Namen Martinelle - und kaufte ihn.

Wenn die 36-Jährige - mittelgroß, kräftig gebaut, dunkelblond, das runde Gesicht voller Lust am Leben und Neugier auf die Welt - von sich erzählt, vermeidet sie tunlichst das Wort "ich". Für sie kommt die Sache vor der Person.

Schon eher sagt sie "wir", aus Dankbarkeit gegenüber der Familie, die sie unterstützte. Nun muss darunter auch der Winzer Thierry Saravel aus Gigondas eingeordnet werden. Die Hochzeit fand bereits statt.

Nach der ersten Ernte 2002 gab sie die Trauben an einen benachbarten Winzer. Das Ergebnis schmeckte nicht; der Wein ging im Fass weg.

2003 war für sie ein "Jahr der Extreme". Am 26. Juni zerstörte Hagel 5 000 Hektar Reben, darunter auch Martinelle. Die geringe Ernte wurde wieder im Fass verkauft.

Im Jahr darauf richtete sie einen provisorischen Keller ein. Der 2004er wurde als ihr erster Jahrgang auf Flaschen gefüllt. Der Wein war ziemlich üppig. Corinna Kruse wusste: Es geht noch besser.

Der Herbst 2005 bescherte einen saftigen, brillanten Wein, gekeltert aus den klassischen Trauben der Rhône. Aus dem Glase steigen mächtige Düfte der dort wild wachsenden Kräuter auf: Thymian und Rosmarin. Das dichte Pflaumenaroma explodiert geradezu auf der Zunge.

Im Midi wird zu einem derart fulminanten Tropfen Daube gegessen, eine Art provenzalisches Gulasch: Ein Kilo aus der Rinderhüfte würfeln und in Rotwein einlegen. Wurzelgemüse, Knoblauch, Pfefferkörner, Schalotten, Zweige von Rosmarin und Thymian hinein geben. Alles für drei Tage in den Kühlschrank stellen.

Das Fleisch abseihen, abtrocknen, scharf anbraten, die Marinade dazugießen und zwei Stunden lang auf kleinster Flamme köcheln lassen. Endlich die Stücke herausnehmen und die Brühe durch ein Sieb streichen. Dazu schmecken gratinierte Kartoffeln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%