Falkensteins Weinprobe
Weine sind auch nur Menschen

Theo Minges, Winzer im südpfälzischen Flemlingen, ist ein in sich gekehrter Mensch. Der 47-Jährige, groß, schlank, mit lichtem Haar, spricht leise und zögernd. Es dauert einige Zeit, bis er sich Fremden gegenüber öffnet. Doch wenn er Vertrauen gefasst hat und über seine Arbeit redet, dann sprudelt es plötzlich aus ihm heraus.

Es klingt anrührend, wie er alles, was im Weinberg und Keller geschieht, vermenschlicht. Minges kann Stunden lang über Hefe plaudern, die "wie eine Mutter aus Buben Männer macht". Das brauche aber seine Zeit. Er lässt die jungen Weine im Tank oft ein ganzes Jahr auf der abgestorbenen Hefe liegen, was nicht ungefährlich ist. Es können dabei übel riechende "Böckser" auftreten. Minges schüttelt den Kopf: "Wenn die Trauben schön und gesund sind, dann freut sich Hefe und tut gar nichts." Vielmehr geben die Mikroorganismen bei ihrer Auflösung wertvolle Stoffe an den Wein ab. "Das schützt besser als Schwefel", sagt der Winzer.

Minges musste früh ins Geschirr. Für mehr als eine einfache Lehre war keine Zeit. "Was du in der Schule lernst, das kannst du sowieso vergessen", hatte ihn der Vater getröstet, ein Theo wie der Sohn.

Der Senior war mehr aus Verlegenheit an das Weingut gekommen. Eigentlich wollte er Maler werden. "So in etwa führte er den Betrieb auch", spöttelt der Sohn heute. Eines aber hat er vom Vater gelernt, dass nämlich Ruhe die erste Winzerpflicht ist. Er gibt viel auf ein "gewisses Bauchgefühl". Oft geht er Tage lang nicht in den Keller. "Da kann ja nichts passieren", so die Erfahrung. Dann bastelt er an alten Motorrädern.

Eine Spezialität von Minges ist der Muskateller, eine rar gewordene Sorte, die normalerweise wegen der oft harschen Säure etwas Süße braucht. Beim hochreifen 2003er, geerntet von 25 Jahre alten Reben, war das nicht nötig.

Der Wein wurde erst vor zwei Monaten abgefüllt, selbstverständlich direkt von der Hefe abgezogen. Der Fruchtgeschmack ist überwältigend. Es ist wie ein Biss in eine frische Muskattraube. Die knackige Säure macht, dass der Kraftprotz geradezu schlank erscheint. Der Wein klingt lange nach. Dann mischen sich feine erdige Töne ein.

Noch ist Kürbiszeit. Das gelb-orange Gemüse verträgt die Muskatfrucht des Weins. Gut schmecken die kleineren Hokkaidos. Ein Soufflé daraus gelingt (fast) immer.

Das rote Fleisch wird in Scheiben geschnitten, weich gedünstet, zerstampft und erst dann gesalzen. In die Masse werden untergemengt: Knoblauch und Peperoni - beides klein gehackt - , dazu Schinkenwürfel, geriebener Greyerzer, von zwei Eiern das Gelb, geschlagene Sahne. Ganz zuletzt wird - sehr behutsam - Eischnee untergehoben. Die leicht-schaumige Masse wird vorsichtig in eine gebutterte Form gegeben und überbacken.

Würze ohne Ende

Wein 2003er Flemlinger Zechpeter Spätlese trocken

Rebsorte Muskateller

Anbaugebiet Pfalz

Analyse 14,3° Alkohol, 5,5 g Säure, 6,3 g Restzucker (pro Liter)

Mindestens haltbar bis Ende 2006

Preis 75,40 Euro

Adresse Weingut Theo Minges, Bachstraße11, 76835 Remlingen Tel. 06323/93350, Fax-93351



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