Falkensteins Weinprobe
Winzer mit Klick

Als Junge war Rudolf May bei jedem Abenteuer dabei. "Ein bissel Risiko würzt das Leben", schmunzelt er. Doch was der Winzer aus dem fränkischen Retzstadt 1999 anstellte, als er ein völlig neues Weingut aufbaute, das war ein tollkühnes Unterfangen.

May, 41 Jahre alt, ein großer, schlanker, kerniger Kerl mit vollem Blondhaar, wuchs als fünftes von acht Kindern auf. Vater Paul betrieb Landwirtschaft und ein wenig Weinbau. Die Trauben brachte er zur Genossenschaft. Als sich der Senior zur Ruhe setzte, ermunterte er seinen Rudolf, den Rebgarten zu übernehmen.

Der Sohn hatte erst anderes im Sinn. Dann entschloss er sich aber doch, die Weinbau-Anstalt im nahen Veitshöchheim zu besuchen. Bei einer Lehrfahrt nach Österreich erlebte er, mit welcher Tapferkeit die Winzer den Schock nach dem eben erst ausgestandenen Glykol-Skandal überwanden. "Da hat?s klick gemacht", erinnert er sich.

Der Junior baute einen simplen Keller und begann, neben dem Studium etwas Wein selbst abzufüllen und zu verkaufen. Nach der Abschlussprüfung konnte er als Prüftechniker in Veitshöchheim bleiben. Rudolf May: "Es war ein guter Job. Nebenher machte ich meinen Wein. Was wollte ich mehr?"

Doch wurde der Wunsch, einen eigenen Gutshof zu besitzen, übermächtig. Obwohl das dritte Kind unterwegs war, spielte die junge Ehefrau mit. So kündigte er, nahm einen Kredit über 1,5 Millionen Mark auf und errichtete ein großes Haus mit voll eingerichtetem Keller. Rebgärten kaufte oder pachtete er hinzu.

Anfänglich herrschte oft Not. Mit Galgenhumor ("Am Abgrund ist die Aussicht am schönsten") machte sich der Winzer Mut. Und jetzt läuft das Geschäft.

Ein Glücksfall war, dass May Zugang bei "Frank & Frei" fand, einem Zusammenschluss von fränkischen Winzern, die sich gegenseitig auf Höchstleistung einschwören. Unter anderem erzeugen sie mit einem gemeinsamen Etikett respektable Müller-Thurgau-Weine.

Welch bezaubernde Tröpfchen sich aus dieser missachteten Sorte fertigen lassen, zeigt die junge Füllung von May. Der Wein duftet zart nach Linden- und Holunderblüte, auch nach Minze. Der Apfelgeschmack wird begleitet von einer kessen, an Limetten erinnernden Säure.

In dem ebenso klug geschriebenen wie hinreißend fotografierten Buch "Genießer unterwegs - Deutschland" von Monika Kellermann (Christian Verlag München, 36 Euro) findet sich ein passendes Rezept aus der fränkischen Hochküche.

Kalbsbries wässern, kurz kochen, dann enthäuten, in fingerdicke Scheiben schneiden, salzen und pfeffern, in Mehl wälzen und in Butter ausbraten. Feinstgeschnittene Schalotten, Möhren, Petersilienwurzeln und Zucchini in Butter andünsten, Wein und Crème fraîche zugeben. Das Bries auf dem Gemüse anrichten. Das Rezept verlangt dazu frischen Meerrettich. Doch dafür ist der Wein zu zart. Besser sind Petersilie und geriebene Zitronenschale.

Fränkischer Frühling

Wein

2004er Frank & Frei
Rebsorte Müller-Thurgau
Anbaugebiet Franken
Analyse 11,5 ° Alkohol, 5,6 g Säure, 6,9 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2005
Preis 5,50 Euro
Adresse Weingut Rudolf May Im Eberstal, 97 282 Retzstadt, Tel. 093 64 / 57 60 Fax 89 64 34
E-Mail info@weingut-may.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%