Falkensteins Weinprobe
Winzer zu Pferd

Der „Austral Spectator“ jubelte: „Der beste Malbec in Südamerika.“ Das Lob zählt doppelt, kommt es doch von der Konkurrenz. Die Zeitschrift erscheint in Argentinien. Der gepriesene Wein aber ist ein Erzeugnis aus dem Hause Viu Manent, ansässig im chilenischen Colchagua Valley.
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Die aus Frankreich stammende Rebsorte ist in Argentinien so etwas wie ein Staatsheiligtum. In Chile hingegen gehört Viu Manent zu den wenigen Erzeugern, die sich mit dieser ungewöhnlichen Traube beschäftigen. „Es ist immer wieder spannend, sich mit diesem Wein auseinanderzusetzen“, erklärt José Miguel Viu, der Chef des 70 Jahre alten Familienbetriebes.

Sein Großvater hatte den Malbec aus Europa mitgebracht. Miguel Viu Garcia war 1935 von Nordspanien nach Chile ausgewandert und hatte in Santiago einen Weinhandel eröffnet. Sein Ältester, ebenfalls Miguel, erweiterte später das Geschäft. Im Colchagua Valley 200 Kilometer weiter südlich erstand er ein Weingut mit 150 Hektar alten Reben.

Die Trauben wurden allherbstlich über Landstraßen in die Hauptstadt gebracht. Dabei bestand in der Hacienda San Carlos durchaus die Möglichkeit, die Trauben dort zu pressen. Aber der Alte wollte in Santiago alles in einer Hand behalten. Darüber kam es zum Streit mit Sohn José Miguel. Am Ende warf der Vater alles hin. Der Junior, eben mal 24 Jahre alt, übernahm die Regie und baute zum Weingut einen modernen Keller. Der Betrieb in Santiago wurde aufgegeben. Nur die Zentrale des Familienunternehmens blieb dort. Also muss José Miguel Viu ständig pendeln.

Der 42-Jährige, groß, kräftig, das dichte schwarze Haar von Silberfäden durchzogen, mag die Hauptstadt nicht. Er reitet lieber durch die Weingärten und lässt sich von den Arbeitern den Stand der Reife schildern. Dann berät er sich mit seinem Önologen Grant Phelps. Der 34-jährige Neuseeländer, blond, hager, ein Stück kleiner als der „Jefe“, arbeitet seit sechs Jahren in San Carlos, für chilenische Verhältnisse sehr lang.

Die vom „Austral Spectator“ so hoch gelobte 2006er Malbec Reserva ist ein dichtes, glutvolles, doch auch sehr eigenwilliges Gewächs. Mächtige Düfte von Leder, Zedernholz, Eukalyptus und Waldboden steigen aus dem Glas. Im Mund entfacht der Wein ein Feuerwerk von dunkelfruchtigen Aromen, von Brombeeren, Schlehen und Schwarzkirschen. Pfeffrige Töne klingen an, auch Mandel ist zu ahnen.

Eine Terrine schmeckt gut dazu. Fleisch vom Schwein, Rind und Lamm (insgesamt ein Kilo) durch die grobe Scheibe des Wolfs drehen. In Brühe aufgeweichtes Weißbrot, zwei Eier, Knoblauch, eine klein gehackte rote Zwiebel, Thymian, grünen Pfeffer und Kräutersalz untermengen. Die Masse in eine feuerfeste Form füllen und für eine halbe Stunde bei mittlerer Hitze in die Röhre schieben. Heiß genießen, am besten mit Tomatensalat.

Viu Manent Reserva

  • Jahrgang:

    2006
  • Rebsorte:

    Malbec
  • Anbaugebiet:

    Chile
  • Analyse:

    14,5ll Alkohol, 5,1 g Säure, 2,8 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis:

    2011
  • Preis ab Händler:

    8,95 Euro

Adresse


Weinquelle Lühmann
Lübecker Straße 145
22097 Hamburg
Tel. 040/25 63 91, Fax -251 25 76
luehmann@weinquelle.com
www.weinquelle .com

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