Falkensteins Weinprobe
Wurzelechter Winzer

Das Kloster Machern gegenüber von Zeltingen war von Geschäftigkeit erfüllt. Der Bernkasteler Ring, eine Vereinigung von Mosel-Weingütern der oberen Mittelklasse, stellte den neuen Jahrgang vor. Die auffälligste Figur dieser Veranstaltung war Johannes Schmitz vom Rebenhof in Ürzig. Bei ihm gab es den besten herben Riesling zu kosten.

Der kleine, rundliche Herr kam ganz in Schwarz. Nur seine Fliege leuchtete knallrot. Versuche, Johannes Schmitz auszuhorchen, beantwortet der 46-Jährige lächelnd: "Tut mir leid, ich habe keine Story." Sein Lebenslauf ist rasch beschrieben. Er wollte von Anfang an Winzer werden. Nach Realschule und Lehre übernahm er peu à peu die Verantwortung im Gut.

Mit Vater Paul - unverwüstlich hilft der noch heute - kam er immer gut aus. In dem alten, von Reben eingerahmten Gutshof gibt es hübsche Ferienzimmer, um die sich Gemahlin Doris kümmert. Die Eltern musizieren oft mit den beiden Töchtern. Und doch gibt es eine spannende Geschichte. Dem Gut ist eine Rebenveredlung angegliedert. Johannes Schmitz verkauft Ableger von wurzelechten Weinstöcken. Die Reblaus, die um 1900 in ganz Europa wütete, hatte die Mittelmosel weitgehend verschont. In Ürzig gibt es noch Bestände von Reben, die nicht auf die resistenten Wurzeln aus Amerika aufgepfropft sind. Da reifen die Trauben später und ergeben einen besonders aromatischen Wein.

Nun ist der Schädling, der schon als ausgerottet galt, in Deutschland wieder aufgetaucht. Obwohl es bislang keine nennenswerten Schäden gab, ist der Anbau von wurzelechten Reben seit einem Jahr verboten. Das geht nicht so weit, dass Schmitz seine Weingärten roden müsste. Aber der Handel mit Setzlingen ist ihm untersagt. Der Ürziger hofft, dass ein biologisches, aus Getreidepilzen gewonnenes Mittel, das die Reblaus vertreibt, bald auf den Markt kommt.

Schmitzens 2006er Riesling-Spätlese trocken aus der steilen Lage Ürziger Würzgarten zeigt, was wurzelechte Reben vermögen. Der Wein verströmt einen Strauß von Düften: Citrus, Majoran, Geißblatt, Brunnenkresse und Schiefer. Der Geschmack von Nektarinen füllt den Mund mächtig aus. Die kecke Säure ist von reichen Mineralstoffen gut eingebunden.

In dem viel gelobten Ürziger Restaurant "Moselschild" kocht seit kurzem der junge Oliver Probst. Er hat sich zu dem fruchtbetonten Riesling dieses Rezept ausgedacht: Hühnchen werden mit gehackten Zwiebeln gestopft und in einer Kasserolle mit etwas Wasser 40 Minuten lang bei mittlerer Hitze gegart. Dazu gibt es Knödel - aus Weizengrieß, Butter, Ei, gepressten Kartoffeln geformt und mit je einer viertel Aprikose gefüllt. Auf den Teller kommen in Butter gedünstete Pfifferlinge mit feinen Lauchstreifen und einer Sauce, die aus Kalbsfond, Portwein, gehackten Schalotten und Rosmarin eingekocht wurde.

Ürziger Würzgarten

Jahrgang: 2006

Rebsorte: Riesling

Anbaugebiet:Mosel

Analyse: 12,0° Alkohol, 7,4g Säure, 8,4 g Restzucker (je l)

Trinken bis: 2009

Preis: 9 Euro

Adresse: Rebenhof Johannes Schmitz, Hüwel 2-3, 54539 Ürzig; Tel. 06532/4546, Fax - 1565; » www.rebenhof.de

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