Falkensteins Weinprobe
Zarter Zauber aus Zeltingen

Zu Kaisers Zeiten war Zeltinger Riesling ein Luxusgut. Weinhändler Peter Selbach konnte sich damals ein Dampfschiff leisten, mit dem er das kostbare Nass die Mosel und den Rhein hinab transportierte.

Matthias Oster war ihm ein guter Partner. Er lieferte Wein und Fässer. Die Kinder der Beiden heirateten. Es entstand das Unternehmen Selbach-Oster, das heute noch in Zeltingen existiert, nur mit dem Unterschied, dass jetzt Handelskellerei und Weingut säuberlich getrennt arbeiten. Es soll keiner sagen dürfen, bei den eigenen Weinen werde fremdes Lesegut verarbeitet.

Die Kellerei ist Sache von Hans Selbach, auch mit 75 Jahren ein unermüdlicher Schaffer. Seit 1993 leitet sein Sohn Johannes das Weingut, zu dem beste Rieslinglagen von Zeltingen bis Bernkastel gehören. Der Junior, 44 Jahre alt, ist wie sein Vater hochgewachsen, kräftig gebaut und weitgehend kahl. Auch er steht unentwegt am Platz und scheint nie verlegen um vollmundige Worte, mit denen er sich antreibt: "Wein ist meine Leidenschaft, mein Hobby und mein Beruf - welch Glück!"

Schön, dass er über Reserven aus dem sich immer besser entwickelnden Jahrgang 2002 verfügt. Es gibt noch einen blütenzarten, federleichten, trockenen Kabinett-Riesling aus der Spitzenlage Sonnenuhr, eines jener zauberischen Tröpfchen, wie sie nur die Mosel hervorbringt: mit einem Aromenspiel von Minze und Aprikosen, von Lindenblüte, von Rauch und Schiefer. Und all das mit denkbar wenig Alkohol.

Liebhaber von australischem Chardonnay werden eine solche Leichtigkeit als dünn bezeichnen. "Richtig", lacht Selbach, "aber davon trinkt man ja auch nicht zwei Gläser, sondern zwei Flaschen." Auch im zweiten Jahr verwöhnt der Wein, der von wurzelechten, also nicht aufgepfropften Reben stammt, mit jugendlichem Charme.

Dazu passt ein venezianisches Rezept. In einem großen Topf werden Stücke von Lauch, Karotten und Knollensellerie in Olivenöl angedünstet. Ein Glas Riesling und einen Viertelliter Fischfonds zugießen, alles aufkochen lassen. Sauber geputzte Miesmuscheln hinzu geben (ein Kilo für drei Personen). Zugedeckt fünf Minuten garen, die Brühe in einen anderen Topf durchsieben. Dazu einen Viertelliter Sahne gießen, von einer Limette die abgeriebene Schale und den Saft zugeben, fünf Minuten kochen, endlich mit in Wein gelöster Speisestärke die Sauce etwas andicken. Zuvor wurden schon Linguine gekocht. Die Nudeln mit der Sauce, mit reichlich frischem Dill und den ausgelösten Muscheln servieren.

Wurzelecht


Wein 2002er Zeltinger Sonnenuhr Kabinett trocken

Rebsorte Riesling

Anbaugebiet Mosel

Analyse 10,5° Alkohol, 7,3 g Säure, 8,8 g Restzucker (pro Liter)

Mindestens haltbar bis Ende 2005

Preis 7,10 Euro

Adresse Selbach-Oster, Uferallee 23, 54492 Zeltingen, Tel. 06532/2081, Fax-4014

E-Mail selbach.zeltingen@t-online.de

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