Falkensteins Weinprobe
Zorn Gottes mit Geschmack

Es ist schon erstaunlich, bei wie vielen Kellereien in Chile, dem Land der Machos, Frauen das Regiment führen. Männer kümmern sich lieber um die Vermarktung. Die Herstellung überlassen sie der Weiblichkeit. Folgerichtig studieren an der Weinbau-Fakultät der Universidad Católica in Santiago mehrheitlich junge Frauen.

Bei der Bodega Francisco de Aguirre herrscht Lorena Veliz über 800 Hektar Weinberge und über eine hochmoderne Kellertechnik. Während der Ernte folgen einige hundert Leute ihren Anweisungen. Die 38-jährige Önologin, ein Kraftwerk auf zwei stämmigen Beinen, besitzt unverkennbar indianische Züge. Seit ihrem Studium ist sie viel auf dem amerikanischen Kontinent herumgekommen, arbeitete in manchen Jahren gleich bei zwei Herbstaktionen mit, erst in Kalifornien, bald danach in Chile. Anfang 2004 wurde sie Kellermeisterin bei Francisco de Aguirre. Das nennt sie ihren "bislang interessantesten Job".

Der Betrieb ist nach einem Conquistador benannt, der den Beinamen "Zorn Gottes" trug, Tausende Indianer abschlachtete und stolz auf seine mehr als 50 Kinder herabschaute. Anno 1537 ließ er am Rande der Atacama-Wüste Reben pflanzen.

Der zweite Pionier, der 450 Jahre später an fast gleicher Stelle den Weinbau wieder belebte, war Carlos Andrade Niklitschek. Der 52-jährige Weinbauberater wurde damals für Capel tätig, eine Genossenschaft, deren Traubenbrand Pisco weithin gefragt ist.

Andrade untersuchte Böden und Klima des hoch in den Anden gelegenen Limarí-Tales und sah "ungeahnte Möglichkeiten". Auf seinen Rat hin wurde Francisco de Aguirre gegründet, die nördlichste Bodega Chiles. Er war der erste Direktor.

Was bringt Menschen dazu, Weinbau zu betreiben in einem abgelegenen Tal, in dem die Sonne gnadenlos sengt und es höchstens an fünf Tagen im Jahr regnet? In einem Tal, wo die Böden erbärmlich steinig und mager sind, wo die Hänge so steil aufragen, dass jede Maschine versagt?

Lorena Veliz wedelt mit dem Zeigefinger: "Es sieht schlimmer aus, als es ist. Nachts kann es hier ziemlich kalt werden. Wasser bekommen wir von einem nahen Stausee. Natürlich müssen die Reben auf der kargen Erde hier kämpfen. Dafür bringen sie Trauben hervor, aus denen wir Weine mit so viel Extrakt gewinnen, dass sie kaum Barriques brauchen, um weich zu werden."

Der dreijährige Merlot "Palo Alto" ist das beste Beispiel. Der nach Pfeffer und Minze duftende Wein hat verhältnismäßig wenig Alkohol, reichlich Säure und schmeckt trotzdem üppig, rund und saftig, keineswegs hart. Die herzhafte, zwischen Pflaume und Schattenmorelle spielende Frucht bleibt lange am Gaumen hängen.

Dazu Ochsenschwanz in Öl scharf anbraten, mit Kalbsfond und Merlot ablöschen. Möhren, Sellerie, Petersilienwurzel und eine entkernte Pepperoni zugeben, salzen, alles zwei Stunden köcheln. Dann die Sauce mit dem Gemüse durch ein Sieb treiben und mit Thymian würzen. Dazu kleine Brätling-Kartoffeln, die mit Schale gegessen werden.

Von den Anden

Wein

2002er Palo Alto
Rebsorte Merlot Anbaugebiet Chile
Analyse 12,9 ° Alkohol, 5,2 g Säure, 2,2 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2007
Preis 8,50 Euro
Adresse Chile Wein Contor Bergheimer Straße 1, 53909 Zülpich Tel. 0 22 52 / 4073, Fax 4082 E-Mail info@cwc.de

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