Falkensteins Weinprobe
Zungenbrecher mit Geschmack

Der Stoff, der ausgeschrieben Lysergsäurediäthylamid heißt, kann schwere Psychosen hervorrufen. LSD ist ein berüchtigtes Rauschmittel. Doch es gibt eine Variante, die - in Maßen genossen - wohl bekömmlich ist: Wein aus Lehrensteinsfeld.

Der Ort nahe Heilbronn beheimatet eine Genossenschaft, die beim Württembergischen Weinbauverband unter dem Verwaltungskürzel LSD geführt wird. Und es hat sich in der schwäbischen Gastronomie eingebürgert, dass die Erzeugnisse dieses kleinen, wackeren Winzervereins unter den drei ominösen Buchstaben ausgeschenkt werden.

Riesling aus Lehrensteinsfeld ist im Raum Heilbronn wohlgelitten, doch darüber hinaus weitgehend unbekannt. Das liegt auch daran, dass die Genossenschaft in den vergangenen Jahren zu sehr mit sich selbst beschäftigt war. Kurz nacheinander wurden drei Geschäftsführer ausgewechselt.

Als Albert Kallfelz vor drei Jahren anheuerte, fand er eine führungslose, desillusionierte Mannschaft vor. Es gab bereits Gespräche, Lehrensteinsfeld mit benachbarten Genossenschaften zu verschmelzen. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Kallfelz hat gute Arbeit geleistet. Umsätze und Auszahlungen sind gestiegen.

Albert Kallfelz, 30 Jahre alt, hoch gewachsen und jungenhaft, kommt von der Mosel. Der gleichnamige Vater besitzt dort in Merl ein namhaftes Weingut und ist sowohl für guten Riesling als auch für seinen Querkopf bekannt. Zwischen den beiden gab es häufig Spannungen. Mit Wein wollte der Sohn erst nichts zu schaffen haben und studierte Betriebswirtschaft. Dann ließ er sich vom Vater doch noch überreden und hängte eine späte Winzerlehre an.

Vier Jahre lang hielten sie es miteinander aus. Doch endlich warf der Junior entnervt das Handtuch und kündigte "mit nichts in der Tasche". Auf ein Inserat hin bewarb er sich nach Lehrensteinsfeld, war erst Verkäufer und bald danach Geschäftsführer. Jetzt will er darangehen, den "Ort mit dem Zungenbrecher-Namen" auch außerhalb des Ländles bekannt zu machen. Die Weine sind es wert.

Nicht nur bei Riesling, auch bei Rotwein ist die Genossenschaft stark. Ein Prachtstück ist die trockene Lemberger-Spätlese von 2002. Der hellrote Schluck duftet nach Brombeeren, ein wenig nach Herbstlaub und Steinpilzen. Rund und weich, fast cremig ist der Geschmack. In die Beerenfrucht mischen sich Würztöne von Oregano und Pfeffer. Lange klingt der Wein auf der Zunge nach.

Das Gericht dazu ist einfach. Aus Kalbshack, zerbröseltem Toastbrot, Ei, Petersilie kleine Klöße formen und in Brühe garen. Für die Sauce Butter mit einer Prise Mehl im Topf anschwitzen und mit Bouillon ablöschen. Etwas von dem Wein und aufgeweichte Trockenpilze zugeben. Mit Spätzle vom Brett servieren.

Schwaben-Spezialität

Wein

2002er Lehrensteinsfelder Steinacker Spätlese trocken
Rebsorte Lemberger
Anbaugebiet Württemberg
Analyse 12,5° Alkohol, 5 g Säure, 4,5 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2006
Preis 8,10 Euro
Adresse Weingärtnergenossenschaft, Schlossstraße 29, 74 251 Lehrensteinsfeld, Tel. 071 34/911 97 60, Fax-911 97 69
E-Mail info@wg-lehrensteinsfeld.de

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