Falkensteins Weinprober
Schritt für Schritt nach oben

Wer sagt, dass nur neue Besen gut kehren? Kellermeister Josef ("Peppi") Tesch, 51 Jahre alt, ein kräftiger, gewichtiger Mensch mit vollem Haar und wehrhaftem Schnäuzer, gehört seit Jugendtagen zum Winzerkeller im burgenländischen Neckenmarkt.

Er hat die schlimmen Anfänge der Genossenschaft erlebt, aber auch den Triumph genossen, als sein Betrieb beim Österreichischen Weinsalon 1996 einen ersten Preis bekam. Diese wichtige Auszeichnung gab?s danach noch drei Mal.

Doch vor der Gründung 1968 herrschte bittere Armut in Neckenmarkt. Wenn die Ernte eingebracht wurde, warteten die Händler eiskalt ab, bis der Most aus den Traubenwagen lief. Dann kauften sie den hilflosen Winzern für ein paar Schillinge die Arbeit eines Jahres ab.

Als der Leidensdruck zu groß wurde, schlossen sich die Bauern, die sich sonst nur mit Misstrauen begegneten, zusammen. Im ersten Jahr gleich ein fürchterlicher Schlag: Hagel vernichtete fast die gesamten Weingärten. Beim Bau des Kellerhauses schleppte der Peppi Wasser für den Mörtel. Er ging von der Schule, wurde Gehilfe, arbeitete sich brav zum Kellermeister hoch und gilt heute als einer der erfahrensten Männer im burgenländischen Rebbau. "Ich bin ein Mann der Praxis", sagt er von sich. In Sachen Rotwein macht ihm keiner etwas vor.

Bei alledem ist Josef Tesch ein bescheidener Mensch geblieben, der "halt gerne gut isst und sehr gerne einen guten Wein trinkt". Den einzigen Luxus, den er sich sonst gönnt, ist alljährlich eine Reise in andere Weinländer. "Dabei lerne ich immer wieder dazu." Es klingt fast, als wollte er sich entschuldigen.

Noch fertigt der Winzerkeller große Mengen für die Supermärkte. Dieses Geschäft ist aber rückläufig. Dafür wächst der Anteil der gehobenen Weine stetig. Die Spitzen-Cuvée "Potio Magica" (Zaubertrank) lag bei internationalen Wettbewerben schon häufig auf Platz eins. Viele Auszeichnungen gab es auch für die Serie "Terra Cognita" (vertrautes Land).

Der Blaufränkisch von 2003 ist ein Wein, wie ihn nur die Burgenländer zuwege bringen: weich, mollig, rund und saftig, reich gefüllt mit Aromen von Süßkirschen und roten Johannisbeeren. Ein Hauch Minze. Die sanfte Glut klingt lange nach.

Die Küche im Burgenland ist gemeinhin derb und schlicht. Bohnensterz oder Krautstrudel sind dort bevorzugte Speisen. Zu dem noblen Wein sollte aber schon ein etwas festlicheres Mahl aufgetischt werden, ein Gericht aus Tschechien, genannt Velikonocni Nadivka (Oster-Auflauf).

Für vier Personen: Je 200 Gramm Kasseler, Kalb- und Schweinefleisch klein würfeln. Sodann acht Brötchen in Brühe einweichen, fest ausdrücken, zerrupfen, mit vier Eiern, zwei Löffel Semmelbrösel und dem Fleisch vermengen.

Reichlich frische grüne Kräuter hinzugeben (Schnittlauch, Petersilie, Brennnessel), mit Piment, Muskat und Nelkenpulver würzen. Endlich eine feuerfeste Form mit Butter ausstreichen, mit der Masse füllen und eine Stunde bei mäßiger Hitze ausbacken.

Vertrautes Land

Wein

2003er "Terra Cognita"
Rebsorte Blaufränkisch
Anbaugebiet Burgenland/Österreich
Analyse 13,2 °Alkohol, 4,9 g Säure, 1,7 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2007
Preis 9,40 Euro
Adresse Winzerkeller, Harkauer Weg 2, A-7311 Neckenmarkt
Tel. 0043 /2610/423 38, Fax 423 884
E-Mail winzerkeller.neckenmarkt@aon.at

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%